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Ein junger Österreicher hat dem Nationalteam ein WM-Trikot designt, das beim ÖFB keinen Anklang fand. Nun wird ausgerechnet das verschmähte Modell zum Verkaufshit – und aus dem Internethype ernsthafte Konkurrenz?
„Es ist gerade stressig“, schnauft Lawrence Gimeno. Sogar an Sonntagen arbeite er mittlerweile 18 Stunden. Er gibt Trikots in Auftrag, nimmt Kundenbeschwerden entgegen, macht Werbung, geht auf Instagram online.
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Der Mann ist 36 Jahre alt, Wiener, und er hat dem ÖFB-Nationalteam zum Spaß ein WM-Trikot designt. Doch beim Fußball-Bund fand der Entwurf keinen Anklang. Also produzierte Gimeno das Leibchen selbst, landete einen Internethit und kann sich jetzt vor Anfragen kaum noch retten. 9000 Trikots seien gerade in Produktion, sagt er. Die ersten 3.000 Stück waren laut Gimeno in weniger als einer Stunde verkauft.
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Gerade ist Österreichs Nationalmannschaft in die USA geflogen, wo man erstmals seit 28 Jahren wieder bei einer WM mitspielt. Das ganze Land ist in Euphorie. Gimeno hofft, dass in den Fanblocks viele sein Trikot tragen werden. „Das ist die beste Mannschaft, die wir jemals hatten“, sagt er. Und zugleich ist es die perfekte Gelegenheit für ihn. „Jede Woche, die sie länger dabei sind, bedeuten 2000 verkaufte Trikots“, rechnet er vor.
Das ist die Geschichte eines jungen Mannes, der ein eigenes Nationalteam-Trikot entwirft, es dem ÖFB nicht schmackhaft machen kann, aber nun die Frage klärt: Was ist mit einem Spaßprojekt im Netz eigentlich möglich?
Vom Geschmähten zum Konkurrenten
Begonnen hat alles im Sommer 2024. Österreich spielte gerade bei der EM, Gimeno wollte sich ein ÖFB-Trikot zulegen – doch dann war es ausverkauft. Er ging frustriert nach Hause und begann zu zeichnen. Gimeno sagt, dass ein gutes Fußballleibchen eine Geschichte erzählen muss. Er erinnerte sich, dass er als BWL-Student nebenbei Touristenführer war, und wie begeistert die Menschen aus aller Welt von der Kaiserzeit, der Hofburg und Schönbrunn waren. Ein Kaisertrikot, das wäre doch was, dachte er.
Sein selbstdesigntes Nationalteam-Trikot erlangt schnell Aufmerksamkeit. Denn: Es sieht nicht aus wie handelsübliche Fußballshirts. Es wirkt eleganter, hat einen adeligen Stehkragen, ein hochwertiges Wappen, aufwändige Stickereien, Schulter-Epauletten und ist im Look kaiserlicher Uniformen konzipiert.
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Gimeno dachte: Genau so sollte Österreichs Nationalteam bei der WM in den USA aufs Feld laufen. Er kontaktierte einen Freund im ÖFB; bat ihn, sein Trikot den wichtigen Leuten im Verband zu zeigen und nahm selbst Kontakt zu einem hochrangigen Puma-Manager auf.
ÖFB-Geschäftsführer Bernhard Neuhold sagt heute auf WZ-Nachfrage, dass er das Trikot „definitiv nicht gesehen“ habe. „Ich habe weder das Design gekannt, noch bin ich mit dem Herrn in Kontakt gestanden.“ Aber, so räumt er ein: „Ich kann nicht ausschließen, dass es einen informellen Austausch gegeben hat“. Gimeno sagt: „Ich weiß, dass es alle Entscheidungsträger beim ÖFB und bei Puma gesehen haben“. Trotzdem war ihm schnell klar: Sein Entwurf hat keine Chance. Er sei eine zu kleine Nummer. Dazu seien die Abläufe am internationalen Sportartikelmarkt „zu eingefahren“, um den Entwurf eines Nobodys zu übernehmen.
Shitstorm für ÖFB-Trikot
Aber Gimeno neigt nicht zur Aufgabe. Er stellte sein Trikot einen Tag nach Österreichs WM-Qualifikation ins Netz, ging schlafen – „und am nächsten Morgen hatte ich tausende Likes“. Sogar Fernseh-Kaiser Robert Palfrader schrieb ihm.
Gimeno hat durchaus Erfahrung im Trikot-Designen. Seit Jahren produziert er mit seiner Firma, der Austrian College Sports League, Shirts für Universitätsmannschaften. Einst wurde er noch an der Kunst-Uni abgelehnt, doch weil ihn das ärgerte, brachte er sich über Google und YouTube das Entwerfen von Sportleibchen selbst bei.
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Der 36-jährige hat durchaus Geschick. Auch, was die Veröffentlichung seines Kaisertrikots anbelangt. Denn fast zeitgleich stellte auch der ÖFB sein WM-Auswärtstrikot vor. Ausrüster Puma hatte das Thema Kaffeehauskultur gewählt und die Shirts in der Optik von Marmortischen gestaltet. Ein Shitstorm im Netz war die Folge. User schrieben, dass sie hier statt Marmoroptik-Linien nur Krampfadern sehen würden. Und in fast jedem Kommentar fand sich ein Verweis auf das doch viel bessere Modell: das Kaisertrikot von Gimeno.
Gimeno sagt, dass man sich das nur einmal vorstellen müsse: Österreich läuft in den USA gegen Argentinien aufs Feld, dort wo Milliarden an Menschen zuschauen würden, weil Messi seine letzte WM spielt. „Das ist doch eine massive Bühne für Österreich, die man bestmöglich nutzen sollte“. Sein Kaisertrikot hätte Österreich wohl einen Riesen-Tourismusboom beschert, glaubt er. „Damit könnte man die ganze Welt verzaubern.“
„Nationale Identität vom Nationalismus-Gedanken trennen“
Eine WZ-Nachfrage im ÖFB zeigt aber schnell, dass das Thema Monarchie den Verantwortlichen politisch zu heikel gewesen wäre. „Wir hätten kein Trikot machen können zu einer Staatsform, die in Österreich seit über hundert Jahren verboten ist“, sagt Michael Schmid, der Marketingchef im Fußball-Bund. Gimeno sieht darin aber eine Scheinheiligkeit. „Im Tourismus macht Österreich alles zur Monarchie – aber beim Fußball ist es uns zu heikel? Demnach müssten wir konsequenterweise auch Schönbrunn und die Hofburg zumachen, wenn das so eine schlimme Zeit war, die wir gar nicht bewerben können.“
Gimeno räumt ein, dass in seinem Trikot durchaus Brisanz stecke. Dann sagt er: „Ich bin aber kein Monarchie-Jünger“. Er wollte kein politisches Statement setzen, sondern bloß ein Kultobjekt schaffen. „Natürlich war mir klar, dass so ein Thema auch nationalistische Leute anziehen könnte“, räumt er ein. „Aber ich möchte die nationale Identität von diesem Nationalismus-Gedanken trennen.“
Ein Kaisertrikot für Arnold Schwarzenegger
Seine Idee schlug jedenfalls ein. Influencer ziehen das Trikot in ihren Reels über und auch Arnold Schwarzenegger soll bald damit herumlaufen. Wenn der Weltstar Mitte Juni nach Österreich kommt, will ihm Gimeno persönlich eines überreichen. „Es wäre cool“, sagt er, „wenn der berühmteste Österreicher eines hat.“
Im Gespräch wirkt Gimeno nach einem guten Verkäufer, der weiß, wie er sein Produkt – das auf einmal viel Aufmerksamkeit bekommt – in Szene setzen muss. Doch anfangs stand etwas anderes für ihn im Zentrum. Er wollte ein qualitativ gutes Fußballshirt auf den Markt bringen, das den herkömmlichen Trikots überlegen ist. 400 Stunden Arbeit hat er in die Entwicklung gesteckt, sagt er. Ein Viertel der Zeit werkte er allein am Wappen. Die Österreich-Trikots der letzten Jahrzehnte fand er nicht gelungen. „Das Preis-Leistungs-Verhältnis hat mich nie überzeugt.“ Bei seinem Werk sei er „überall aufs Maximum“ gegangen, habe die besten Stoffe und die edelsten Materialien verwendet. Seine Produktionskosten würden „beim Zehnfachen“ von herkömmlichen Trikots liegen. Der Sportartikelmarkt hingegen würde bloß noch ein „Minimum an Qualität zum maximalen Preis anbieten“.
14.000 Vorbestellungen
Fußballtrikots sind heutzutage mehr als bloße Sportleibchen – sie sind Teil der Popkultur. Ein Trend, der Gimeno in die Karten spielt. Während die offiziellen ÖFB-Trikots im Netz viel Kritik abbekommen, stapeln sich bei ihm die Anfragen. Anfangs dachte er, dass viele User zwar schnell auf den Like-Button unter dem Trikot drücken, „aber nicht 90 Euro dafür überweisen“. Dann stellte er eine Anmeldeliste online. 14.000 Vorbestellungen habe er mittlerweile erhalten, sagt er. Die hohe Nachfrage ließ ihn mehr riskieren als geplant. „Bei 4000 Stück weiß ich nicht, ob ich sie fix verkaufen werde, dafür habe ich aber 200.000 Euro vorfinanziert.“
Wie viele WM-Trikots der ÖFB und Puma bislang abgesetzt haben, wird auf WZ-Nachfrage nicht verraten. Aus dem Handel heißt es, dass man mit Rekordumsätzen rechne und schon jetzt 30 Prozent mehr Dressen verkauft habe als bei der EM 2024. Trotzdem wurde Gimeno zur einzig echten Konkurrenz. Sogar ehemalige Teamspieler, wie der Torhüter Rober Almer, haben sich bereits ein Kaisertrikot besorgt. Gerade versucht er Kontakte zu knüpfen, damit es sein Werk in eine US-Fernsehshow während der Weltmeisterschaft schafft. „Wenn Österreich die Argentinier oder Spanier schlägt, hätte das Kaisertrikot auf alle Zeit Kultfaktor“, sagt er und grinst. „Ich werde unser Team sicher fest anfeuern.“
Ansage an den ÖFB: „Sie wissen ja jetzt, wo sie mich finden“
Mittlerweile kommen sogar Firmen auf ihn zu, die das Trikot für Gewinnspiele bewerben. Kooperationen mit der Bawag oder Mastercard sind entstanden. Mittlerweile ist das Shirt auch in ausgewählten Shops im Handel erhältlich. Nur der ÖFB hat sich bis heute nicht bei ihm gemeldet.
Trotzdem, sagt Gimeno, bleibe es sein Traum, eines der nächsten ÖFB-Shirts zu entwerfen. „Ich stelle mich gerne zur Verfügung, wenn sie einmal ein Trikot haben wollen, das cooler ist“, sagt er. Sein Nachsatz: „Sie wissen ja jetzt, wo sie mich finden.“
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Infos und Quellen
Gesprächspartner
- Lawrence Gimeno, Erfinder des Kaisertrikots
- Bernhard Neuhold, ÖFB-Geschäftsführer
- Michael Schmid, ÖFB-Marketingchef
Daten und Fakten
- Lawrence Gimeno, 36 Jahre alt, wurde in Brasilien geboren. Sein Vater ist Spanier, seine Mutter Österreicherin. Einst wurde er auf der Universität für Angewandte Kunst abgelehnt, studierte BWL und machte sich als Unternehmer selbstständig. Gimeno ist Gründer der Austrian College Sports League (ACSL). Seine Leidenschaft gehört dem Designen von Sporttrikots. Selbst besitzt er über 150 Shirts – aber keines der österreichischen Nationalmannschaft.
- Mit seinem Kaisertrikot erlangte er große Aufmerksamkeit. Kleine Länder wie Österreich würden bei den großen Ausstattern oft „an allerletzter Stelle“ stehen, sagt er. Deshalb wollte er ein hochwertiges und durchdachtes Nationaltrikot produzieren. 90 Euro kostet sein Entwurf, mit personalisiertem Namen und Nummer 130 Euro. (Zum Vergleich: Ein offizielles ÖFB-Trikot von Puma kostet knapp 100 Euro.) Gefertigt werden die Fußballleibchen von der Vorarlberger Firma Knoah, mit der er seit 10 Jahren zusammenarbeitet; die Nähereien werden nach Thailand ausgelagert, die Veredelung findet in Österreich statt.
- 39 von 48 WM-Nationen erhalten ihre Trikots von Nike, Adidas oder Puma. Ein unbekannter Designer wie Gimeno hat nur geringe Chancen, für einen großen Verband ein WM-Trikot zu entwerfen. Auch er scheiterte mit seinem Versuch, den ÖFB zu überzeugen.
- Weil sein Kaisertrikot zum Internethit wurde und reißenden Absatz findet, könnten ihm am Ende, so sagt er, im besten Fall 100.000 Euro Gewinn bleiben. Dafür stecke er aber derzeit in 18-Stunden-Arbeitstagen fest.
Quellen
- Kaisertrikot
- Offizielle ÖFB-WM-Trikots
- ÖFB: IMMER WIEDER ÖSTERREICH: PUMA und der ÖFB enthüllen WM-Trikot
- ÖFB: PUMA und der ÖFB präsentieren Auswärtstrikot
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