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Die WZ-Reihe "What the Song Contest?" beantwortet die wichtigsten Fragen zum größten Musikevent der Welt – dem Eurovision Song Contest.
Der Eurovision Song Contest will Popshow, Fernsehritual für alle Altersgruppen und europäische Bühne zugleich sein. Genau darin liegt sein Reiz – aber auch sein Widerspruch. Denn wenn ein Event „für alle“ sein will, stellt sich die Frage: Wer ist tatsächlich dabei, wer fühlt sich angesprochen und wer bleibt außen vor? Ein Blick auf Altersgruppen, Barrierefreiheit und politische Grenzen zeigt, wie breit der Song Contest wirkt – und wo sein Gemeinschaftsversprechen an Grenzen stößt.
- Kennst du schon?: Kultur als Checkliste
Welche Altersgruppen verfolgen den ESC?
Dass der ESC ein Event für alle sein will, zeigt sich an seiner ungewöhnlich breiten Zielgruppenwirkung. Laut EBU erreichte das Finale 2025 bei den 15- bis 24-Jährigen einen Viewing Share von 60,4 Prozent – den höchsten Wert seit Beginn der Messung. Auch digital ist das Publikum jung geprägt, etwa auf TikTok und Instagram. Eine aktuelle Marketagent-Umfrage für Österreich zeigt ebenfalls: Das Interesse am ESC ist insgesamt begrenzt, fällt bei jüngeren Generationen aber deutlich weniger skeptisch aus als bei älteren. Der ESC ist damit kein reines Jugendformat, aber eines der wenigen TV-Großereignisse, das junge Zielgruppen noch sichtbar erreicht.
Bei den Babyboomern steigt die Skepsis wieder: 73,7 Prozent der Österreicher:innen in dieser Altersgruppe geben in der gleichen Studie an, wenig bis gar nicht am ESC interessiert zu sein. Das bedeutet allerdings nicht, dass er für ältere Zielgruppen keine Rolle spielt. Für viele ist der ESC ein vertrautes Fernsehritual, das sie seit Jahrzehnten kennen – auch wenn sie sich selbst nicht unbedingt als Fans bezeichnen würden. Seine Breitenwirkung entsteht damit weniger aus einer einzelnen Kernzielgruppe als aus dem Nebeneinander verschiedener Zugänge: Popkultur für Jüngere, Live-Event für Fernsehzuschauer:innen, Nostalgie für langjährige Beobachter:innen und gesellschaftlicher Gesprächsstoff für alle, die rund um den Bewerb mitdiskutieren.
Im 2. Teil geht es um Queerness beim ESC:
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In den Wiener Wohnheimen für Senior:innen „Häuser zum Leben“ wurden im Vorfeld des ESC SingAlong-Events veranstaltet, bei denen Senior:innen gemeinsam mit Chören, Nachbar:innen, Ehrenamtlichen und Mitarbeiter:innen ESC-Klassiker sangen. Besonders präsent war dabei „Merci, Chérie“, mit dem Udo Jürgens 1966 den ersten ESC-Sieg für Österreich holte. Auch während der ESC-Woche werden beide Halbfinal-Shows und das Finale in einigen Häusern am großen Screen im Saal gemeinsam verfolgt. Der ESC wird hier weniger als jugendliches Popereignis erlebt, sondern als vertrauter Anlass, um Musikgeschichte, Erinnerungen und Gemeinschaft zusammenzubringen.
Unter den Senior:innen sind auch echte Fans: „Viele unserer Bewohner:innen verfolgen den ESC bereits seit Jahrzehnten und bringen ein beeindruckendes Wissen und große Begeisterung mit. Sie freuen sich jedes Jahr besonders auf die Shows, kennen zahlreiche Songs und Künstler:innen und teilen ihre Leidenschaft gerne mit anderen“, erzählt Jennifer Sommer von den „Häusern zum Leben“ der WZ.
Ist der ESC ein inklusives Event?
Der Eurovision Song Contest 2026 wird vom ORF mit mehreren barrierefreien Angeboten begleitet. Für die TV-Übertragung und ORF ON sind unter anderem Audiodeskription, ÖGS-Übersetzung und Untertitel sowie sogenannte Sign-Performances vorgesehen. Bei diesen werden die Songs nicht nur übersetzt, sondern mit Mimik, Rhythmus und Bewegung interpretiert.
Die gehörlose Performerin Lena beschreibt im WZ-Podwalk zum ESC, dass es nicht darum gehe, Wort für Wort in eine andere Sprache zu übertragen, sondern den Song emotional für ein gehörloses Publikum aufzubereiten. Dafür arbeiten die Performer:innen mit Lyrics, Musikvideos, visuellen Informationen und teils auch mit Vibrationen, um Tempo, Bass, Dynamik und Stimmung eines Songs körperlich wahrnehmbar zu machen. Entscheidend sei für Lena nicht jedes einzelne Wort, sondern das Gefühl, das durch Rhythmus, Bewegung, Mimik und Energie entsteht.
Im Podwalk "Bonuspunkte" verbindest du einen Spaziergang durch Wien mit ESC-Wissen und Insights direkt auf die Ohren!
Auch vor Ort in der Wiener Stadthalle sind Maßnahmen geplant, die den Wettbewerb für mehr Menschen zugänglich machen sollen. Vibrationswesten sollen beispielsweise dabei helfen, Musik und Bässe körperlich wahrzunehmen. Auch Touch Tours und Hilfsmittel zur Reizentlastung sollen ermöglichen, das Event möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen.
Wo stößt der Anspruch „für alle“ an Grenzen?
So sehr der ESC den Anspruch erhebt, ein Event für alle zu sein, ganz einlösen lässt sich dieses Versprechen nicht. Barrierefreiheit muss nicht nur angekündigt, sondern für ein vollständig inklusives Event dieser Größe auch leicht auffindbar und verlässlich nutzbar sein. Gleichzeitig bleibt die Live-Erfahrung in der Stadthalle durch Ticketvergabe, digitale Zugangssysteme, begrenzte Plätze und Kosten automatisch exklusiver als das gemeinsame Schauen im Fernsehen oder beim Public Viewing. Ein Event kann also möglichst offen gestaltet sein – und trotzdem nicht für alle gleich erreichbar sein.
Hinzu kommt, dass „für alle“ nicht bedeutet, dass sich auch alle angesprochen fühlen. Der ESC ist in Österreich zwar fast allen bekannt, trotzdem hat die Mehrheit wenig oder gar kein Interesse daran. Auch politische Kontroversen setzen dem Gemeinschaftsversprechen Grenzen: Rund um die Teilnahme Israels gibt es Boykottaufrufe, Proteste und den Rückzug mehrerer Länder. Der ESC bleibt damit ein Großereignis mit breiter Strahlkraft, aber kein konfliktfreier Raum. Vielleicht liegt genau darin die ehrlichere Beschreibung: Er ist nicht automatisch ein Event für alle – sondern eines, das immer wieder neu darum ringen muss, möglichst viele mitzunehmen.
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Infos und Quellen
Daten und Fakten
Der ESC bleibt eines der größten europäischen Live-TV-Events: Das Finale 2025 erreichte laut EBU 166 Millionen Menschen in 37 Märkten, der Viewing Share lag bei 47,7 Prozent – dem höchsten Wert seit 2004. Besonders auffällig ist die Nutzung in der jungen Zielgruppe: Bei den 15- bis 24-Jährigen erreichte das Finale einen Viewing Share von 60,4 Prozent, laut EBU der höchste jemals gemessene Wert in dieser Altersgruppe. Auch digital ist der ESC stark: Auf TikTok entfielen 42,4 Prozent der Follower:innen auf die Altersgruppe 18 bis 24, auf Instagram waren die größten Gruppen 18 bis 24 und 25 bis 34 Jahre alt.
Eine repräsentative Marketagent-Umfrage zum ESC 2026 in Österreich zeigt: Nur 15 Prozent der Befragten sind sehr oder eher interessiert, weitere 21 Prozent zumindest teilweise; 62 Prozent geben an, wenig oder gar kein Interesse zu haben. Rund ein Viertel will das Finale verfolgen, überwiegend zuhause oder im privaten Rahmen.
Gesprächspartner:innen
- Jennifer Sommer, Häuser zum Leben Wien
- Magdalena Schramek, Sign-Performance-Coach
Quellen
- ESC-Studie der ETH Zürich
- Marketagent-Studie zum ESC 2026
- EBU-Statistiken zum ESC 2025
- ESC-Studie der Stadt Wien
Das Thema in der WZ
- Teil 1: Wie funktioniert der ESC?
- Teil 2: Warum lieben die Girls und Gays den ESC so?
- Teil 3: Was macht Schweden beim ESC so erfolgreich?
- Teil 4: Wie politisch ist der ESC?
- Bonuspunkte – Der Hörspaziergang zum ESC
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