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Die WZ-Reihe "What the Song Contest?" beantwortet die wichtigsten Fragen zum größten Musikevent der Welt – dem Eurovision Song Contest.
Sie gewinnen. Immer wieder. Und zwar nicht nur, weil sie gute Songs haben, sondern weil in Schweden die Arbeit an der Musik weit vor dem ESC beginnt. Warum das Land beim Song Contest seit Jahrzehnten so erfolgreich ist, hat mit Popkultur, Förderung und einem Vorentscheid zu tun, der fast größer ist als der Bewerb selbst.
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Wie erfolgreich war Schweden bislang?
Das Land kann eine beachtliche ESC-Erfolgsbilanz vorweisen. Bei seinen 64 Teilnahmen bis 2025 holten die schwedischen Acts siebenmal den Sieg nach Hause – die Liste der Länder mit den meisten Siegen führt Schweden so gemeinsam mit Irland an. Nur zweimal landete Schweden am letzten Platz. Zum Vergleich: Deutschland und Österreich finden sich mit jeweils 6 mal 0 Punkten Endergebnis eher auf der anderen Seite der Tabelle.
Die Besonderheit ist die Konstanz, mit der Schweden immer wieder Siege nach Hause holt. Allein in den letzten 20 Jahren holte das Land fünf Stockerlplätze, drei davon als Sieger. Den ersten Sieg holte 1974 eine damals noch unbekannte Band: Mit „Waterloo“ sangen sich ABBA erst in die Herzen der ESC-Fans und dann zur großen Weltkarriere. Den letzten Sieg holte die Sängerin Loreen, die 2023 zum zweiten Mal den ESC gewann und so dafür sorgte, dass Schweden 2024 das 50-jährige ABBA-Jubiläum im eigenen Land feiern durfte.
Das kommt nicht von ungefähr: Popmusik wird von den Schwed:innen ernstgenommen – von klein auf. Kaleen, die 2024 in Malmö für Österreich sang, fasst es im Interview mit der WZ gut zusammen: „Schweden ist beim Eurovision Song Contest das Paradebeispiel, weil Künstler dort schon früh gefördert, finanziell unterstützt und professionell aufgebaut werden. Genau das schafft die Grundlage für Erfolg auf diesem Niveau.“
Was macht Schweden bei der Musikerziehung anders?
Der Erfolg Schwedens beim ESC beginnt nicht erst auf der großen Bühne, sondern viel früher. Musik hat im Land einen anderen Stellenwert als in vielen anderen Ländern Europas: Sie ist in der Schule von der ersten bis zur neunten Klasse Pflichtfach, und zwar nicht nur mit klassischem Fokus. Auch Rock und Pop sind Teil des Lehrplans. Dazu kommen kommunale Musik- und Kulturschulen, die musikalische Ausbildung früh und lokal zugänglich machen. Wer den Weg professionell weitergehen will, findet an Hochschulen anerkannte Studiengänge – etwa für Musikpädagogik, Produktion oder Songwriting.
So entsteht ein System, das Talente nicht dem Zufall überlässt, sondern gezielt entwickelt. Der österreichische Sänger und ESC-Teilnehmer Cesár Sampson war auch schon für andere Länder tätig und hat sich mit dem schwedischen System auseinandergesetzt. Er beschreibt es im Gespräch mit der WZ so: „Schweden hat einfach eine viel größere und professionellere Musikindustrie. Dort gibt es seit Jahrzehnten Schulen, die gezielt Songwriter:innen und Produzent:innen ausbilden – und zwar nicht als lockeres Kursprogramm, sondern als echte Ausbildung.“
Viele erfolgreiche Produzent:innen kämen aus genau diesen Strukturen, sagt Sampson. Dadurch gebe es in Schweden klarere Berufsbilder und mehr Spezialisierung als in Österreich. „In Schweden ist zum Beispiel sogar der Topliner, also jemand, der nur eingängige Melodien schreibt, ein eigener Beruf“, so Sampson. In Österreich fehle es dagegen oft an Strukturen, Geld und Möglichkeiten – hier müsse meist jede:r „alles ein bisschen können“.
Warum ist das „Melodifestivalen“ so wichtig?
Zum schwedischen ESC-Erfolg trägt auch der nationale Vorentscheid bei: das Melodifestivalen. Es ist weit mehr als eine simple Ausscheidung für den Eurovision Song Contest, sondern ein eigenes Pop- und TV-Großereignis. Es besteht aus fünf Halbfinal-Shows und einem Finale, die jeweils samstags in Arenen in Schweden stattfinden und live im Fernsehen übertragen werden. Die Shows sind immer ausverkauft, das Interesse im Land riesig. Das Finale 2026 verfolgten 3,8 Millionen Schwed:innen – bei nur 4,9 Millionen Haushalten im ganzen Land eine beachtliche Zahl. In manchen Jahren schauten sogar mehr Menschen den Vorentscheid als den eigentlichen ESC.
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Bemerkenswert ist auch, wie professionell und langfristig der Wettbewerb organisiert ist. Schon kurz nach dem Ende eines Eurovision-Jahrgangs startet in Schweden die Suche nach Songs für die nächste Ausgabe. Welche Beiträge es schließlich in den Wettbewerb schaffen, entscheidet eine eigens geschulte Jury mit Menschen aus unterschiedlichen Teilen der Bevölkerung. Dazu kommt ein komplexes Abstimmungssystem: In einer App werden die Songs nach Altersgruppen bewertet, im Finale stimmen zusätzlich internationale Jurys mit ab. Die Punkte werden jeweils zur Hälfte von einer internationalen Jury und vom schwedischen Publikum vergeben. Zuerst werden die Jurywertungen bekannt gegeben, danach folgt das zusammengefasste Ergebnis des Publikumsvotings. Dieses Modell war so erfolgreich, dass es seit 2016 auch beim ESC genutzt wird.
Schweden nimmt also die Popmusik und den ESC einfach ernst. Sängerin Kaleen findet, dass das auch Österreich gut zu Gesicht stehen könnte: „Hier ist der Zugang oft: Es ist einem egal, bis der Act auf der Bühne steht. Dann wollen plötzlich alle mitreden – und wenn es gut läuft, haben es ohnehin schon alle gewusst. Ich finde das schade, weil man viel früher Farbe bekennen, Künstler unterstützen und sich diese Freude einfach auch gönnen könnte.“
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Infos und Quellen
Daten und Fakten
Schweden nahm 1958 erstmals am Eurovision Song Contest teil und war bis einschließlich 2025 insgesamt 64-mal dabei. Mit sieben Siegen zählt das Land zu den erfolgreichsten ESC-Nationen überhaupt: gewonnen hat Schweden 1974, 1984, 1991, 1999, 2012, 2015 und 2023.
Der bis heute bekannteste schwedische ESC-Moment bleibt ABBAs Sieg mit „Waterloo“ 1974, der Schwedens ersten Triumph markierte. Auffällig ist zudem die Verlässlichkeit: Schweden schied in seiner ESC-Geschichte nur einmal im Halbfinale aus und erreichte bislang nur zweimal den letzten Platz.
Quellen
- Fan-Enzyklopädie „Mellopedia“
- SVT-Infoseite zum Melodifestivalen
- MMS Schwedische Fernsehquoten
- Kungliga Musikhögskolan (KMH)
- EAS zur Musikerziehung an schwedischen Schulen
Das Thema in der WZ
- Teil 1: Wie funktioniert der ESC?
- Teil 2: Warum lieben die Girls und Gays den ESC so?
- Teil 4: Wie politisch ist der ESC?
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