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Zara Larsson: Die politisch-glitzernde Pop-Hoffnung 2026

4 Min
Wie Zara Larsson den Durchbruch geschafft hat und was das mit einem Meme-Delfin zu tun hat.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser

Seit Beginn ihrer Karriere kämpfte sie gegen die popkulturelle Irrelevanz, jetzt scheint sie es geschafft zu haben: mit einem Mix aus viralem Glück, der richtigen Ästhetik und politischer Ausrichtung.


Für die meisten von uns war 2016 das Jahr der schlechten Frisuren und fragwürdigen Mode-Entscheidungen – für die schwedische Sängerin Zara Larsson war es das entscheidende Jahr nach ihrem internationalen Durchbruch. 2015 veröffentlichte sie den Song „Lush Life“, der im Radio auf und ab lief und in mehreren Ländern die Top 5 erreichte – und zum Beweis wurde, dass ein waschechter Radio-Hit noch lange nicht bedeutet, dass man ein Popstar ist.

Denn während so ziemlich jede:r „Lush Life“ oder „Symphony“ schon mal gehört hat, wusste bis vor nicht allzu langer Zeit kaum jemand mehr über die Künstlerin Zara Larsson. Gute Sängerin, tolle Tänzerin, aber gleichzeitig auch zu wenig Persönlichkeit, zu austauschbar: Das war seit Beginn ihrer Karriere Zaras Fluch, um es drastisch auszudrücken. Das nervt sie selbst am allermeisten, wie sie in mehreren Interviews und der Dokumentation „Up Close“ ausführlich und fast ein wenig verbissen erzählt. Schon wieder Opening Act statt eigener Arena-Tour? Uff. Schon wieder ein random Radio-Song, aber niemand erkennt mich auf offener Straße? Niemand spricht in den relevanten Pop-Bubbles auf Twitter über mich? Shit.

Versucht man, zu rekonstruieren, wann sich das Blatt für sie gewendet hat, könnte einer dieser Momente mit einem blitzblauen Meme-Delfin zu tun haben, der 2024 zu den Klängen von „Symphony“ durch unsere Feeds schwamm. Zara nutzte den Moment, ging auf den Trend ein, adaptierte die blumig-bunte Strand-Ästhetik direkt für ihr Album „Midnight Sun“ und fand somit eines der Puzzleteile, das ihr zur popkulturellen Relevanz noch gefehlt hatte: eine kohärente Brand samt Ästhetik, die man sofort wiedererkennt.

Anti-ICE, Pro-Palästina

Es ist ziemlich unfair, dass man Zara Larsson jahrelang den Stempel der nichtssagenden Sängerin aufgedrückt hat, denn das Gegenteil ist der Fall. Gesellschaftspolitisch positioniert sie sich immer schon stärker als die meisten Kolleg:innen. Sie lehnte einen Auftritt bei Eurovision wegen der Teilnahme Israels ab und macht sich auf Social Media für Palästina stark – was sie Auftritte und Deals gekostet hat, wie sie in „Up Close“ erzählt. Damit spricht sie eine Bubble innerhalb der chronically online Linken an, die sich ansonsten mit vorsichtigen Marketing-Statements von Popstars zufriedengeben muss.

Jüngst machte sie mit Kommentaren zur US-Einwanderungsbehörde ICE Schlagzeilen. Nachdem ein Beamter der Behörde die Bürgerin Renée Good erschossen hatte, postete sie: „Ich hasse ICE.“ Was sie hingegen liebt? „Immigrant:innen, Sozialismus, Abtreibungen, Slutty Frauen, trans Menschen und Kriminelle”, schrieb sie. Vor allem letzterer Punkt sorgte für erboste Reaktionen, worauf sie in ihrer Instagram-Story ausholte und von ihrem Boyfriend erzählte. Er dürfe nicht in die USA einreisen, weil er in Schweden einmal für den Besitz von Gras behördlich erfasst worden war.

Darauf spielt sie auch im Song „Stateside“ an, einem Remix mit UK-Star PinkPantheress. Darin heißt es: „I’ve been touring stateside, kissing my Swedish boy over FaceTime“. Der Song ist einer von drei, mit denen Zara Larsson gerade chartet. „Midnight Sun“ und „Lush Life“ sind die anderen beiden – wobei letzterer aktuell höher gelistet ist als je zuvor. Das hat Zara wohl auch den viralen Momenten rund um den „Lush-Life-Tanz“ zu verdanken, den sie im Rahmen ihrer Tour jeden Abend mit einem anderen Fan auf der Bühne tanzt.

Progressiver Pop mit Ansage

In „Up Close“ sagt Zara Larsson, dass sie Angst habe, nichts verändern zu können, dass sie vielleicht besser einfach nur singen sollte. Im Interview mit Dazed lässt sie aber durchblicken, dass sie selbst weiß, dass das Blödsinn ist, dass da nur ihre Unsicherheiten aus ihr sprechen. Denn auch ihre für einen Popstar schon radikale Art, über Politik zu sprechen, ist eines der Puzzleteile, die Zara Larsson so besonders und endlich erfolgreich machen. Dieses Puzzleteil lag zwar schon länger am Tisch, hat aber erst jetzt seinen Platz gefunden.

Gerade wurde Zara zur ersten schwedischen Künstler:in, die mehr als 50 Millionen monatliche Hörer:innen auf Spotify zählt. Und ihr Song „Midnight Sun“ wurde für einen Grammy in der Kategorie „Best Dance Pop Recording“ nominiert. Schon seit sie acht Jahre alt ist, übt Zara ihre Grammy-Dankesrede, erzählt sie Kollegin PinkPantheress in einem Gespräch für das Interview Magazine. Die ist übrigens in derselben Kategorie nominiert, aber findet, Zara sollte gewinnen: „‚Midnight Sun‘ ist einfach so viel interessanter als mein Song. Das ist einfach progressiver Pop.“


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