PodcastDieses Jahr waren Politik und Gesellschaft gefühlt im permanenten Krisenmodus. Ein Plädoyer für das bewusste Innehalten zwischen Weihnachten und Silvester.
2025 war innenpolitisch ein Jahr der Daueranspannung: Die längste Regierungsbildung der Zweiten Republik endete in einer Dreier-Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS, die sofort mit einem massiven Budgetloch und einem EU-Defizitverfahren konfrontiert war. Ein schrecklicher Amoklauf in Graz und ein Terroranschlag in Villach prägten das Jahr ebenso wie eine umstrittene Einführung der Messenger-Überwachung und andere Sicherheitsdebatten. Wahlen in Wien und dem Burgenland zeigten deutliche Verschiebungen nach rechts.
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Nach vielen Ereignissen und Negativschlagzeilen – sowohl national als international – fühle ich mich zum Jahresende vor allem politisch ausgelaugt und zermürbt. Als Journalistin entkomme ich den Nachrichten praktisch nie, auch wenn ich mir das manchmal wünschen würde. Umso wertvoller und wichtiger erachte ich deshalb die Zeit zwischen den Jahren, jenes Fenster zwischen Weihnachten und Silvester, in dem die Zeit ein wenig stillzustehen scheint und irgendwie etwas Magisches in der Luft liegt.
Die vielleicht beste Woche des Jahres
Solltest du wie ich zu denjenigen gehören, die das Privileg genießen, heuer zwischen den Jahren nicht arbeiten zu müssen, dann kannst du in dieser Woche ganz wunderbar innehalten, entschleunigen, zur Ruhe kommen. Denn in diesen Tagen scheint niemand etwas von dir zu wollen, dein Telefon läutet plötzlich weniger.
Du kannst dich im Bett verkriechen und die Bücher lesen, die sich schon seit Monaten auf deinem Nachtkästchen stapeln, du kannst endlich die Serien schauen, die schon seit Langem auf deiner Binge-Liste stehen. Du kannst den ganzen Tag im Pyjama bleiben und so viel Weihnachtsbäckerei naschen, wie du willst, ganz ohne schlechtes Gewissen. Oder du probierst endlich das eine neue Hobby aus, für das du im Alltagsstress nie Zeit hattest. Kurzum: Du kannst schlicht das tun, worauf du Lust hast.
Pause vom Dauerrauschen
Und vielleicht liegt der größte Wert darin, dass die Welt für einen Moment auch ohne deine oder meine Reaktion weiterlaufen darf. Nicht jede Entwicklung muss sofort verfolgt, eingeordnet, bewertet oder kommentiert werden. Nachrichten können auch mal überflogen oder bewusst ignoriert werden. Sich in diesen Tagen bewusst zurückzunehmen, ist kein Eskapismus. Es ist ein Akt der Selbstbehauptung.
Im neuen Jahr werden sie wieder da sein: die Konflikte, die Zumutungen, die (politischen) Entscheidungen, die traurig, wütend oder müde machen. Aber jetzt, in diesen wenigen Tagen, dürfen wir uns erlauben, kurz stillzustehen. Um dann – hoffentlich – mit etwas mehr Klarheit, Distanz und innerer Ruhe zurückzukehren.
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Infos und Quellen
Daten und Fakten
- Studien zeigen, dass die ständige Konfrontation mit negativen Nachrichten – besonders über soziale Medien – Stress, Angst und Hilflosigkeit auslösen kann. Intensiver Nachrichtenkonsum belastet die psychische Gesundheit, vor allem bei jungen Menschen.
- Psycholog:innen empfehlen daher, den Medienkonsum bewusst zu begrenzen, Benachrichtigungen auszuschalten, Pausen einzulegen und belastende Nachrichten aktiv zu verarbeiten. Zusätzlich hilft es, sich bei wichtigen Themen engagiert einzubringen, um dem Gefühl der Ohnmacht entgegenzuwirken.
Quellen
- American Psychological Association: Media overload is hurting our mental health. Here are ways to manage headline stress
- Vienna.at: Jahresrückblick 2025 – Innenpolitik zwischen Dreier-Koalition, Defizitdebatte und Sicherheitskrise
Das Thema in der WZ
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