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Zohran Mamdani und „the Vienna Model“

4 Min
Mamdani hat sich von Wien inspirieren lassen.
© Illustration: WZ, Bildquellen: Getty Images; Alessandra Verre via Unsplash..

Der designierte Bürgermeister von New York City kennt unsere Hauptstadt: Das Wiener Modell ist eine seiner Inspirationen für leistbaren Wohnraum, sagt er.


    • Zohran Mamdani will New Yorks Wohnungsmarkt nach dem Vorbild Wiens mit mehr sozialem Wohnbau reformieren.
    • Kritiker:innen wie George Winner warnen vor Verstaatlichung, höheren Steuern und Vetternwirtschaft durch das Wiener Modell.
    • Die Wohnsituation in New York ist angespannt, mit extrem hohen Mieten und niedrigen Standards.
    • Miete für Ein-Zimmer-Wohnung in NYC: 4000 Dollar (ca. 3.500 Euro)
    • Zohran Mamdani will "Wiener Modell" für sozialen Wohnbau in NYC einführen
    • Wien war lange auf Platz 1 bei Lebensqualität durch günstige Mieten
    • Kritiker:innen warnen vor Verstaatlichung und höheren Steuern
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Der Big Apple hat es Trump diesmal deutlich gezeigt. New York City wählt aufgrund seiner jungen, gebildeten und migrantischen Bevölkerung in den letzten 10 Jahren durchgängig demokratisch. Aber der designierte neue Bürgermeister Zohran Mamdani ist ein neues Kapitel in der Geschichte der Amtsinhaber (kein Gendern notwendig) der größten Stadt der USA.

Spricht man mit Menschen, die in New York leben, kommt man um ein Thema nicht drumherum: Die Mieten sind so teuer, dass du es kaum glauben kannst. Künstler:innen, die immer Teil der Erzählung von New York waren, können sich dort nur über Wasser halten, wenn der Wohnraum Teil des Stipendiums ist. Studierende arbeiten drei Jobs nebenbei und reden sich das Ganze mit einer „New York Energy“ schön, um sich am Leben zu erhalten, während das Gesicht immer grauer wird. Die meisten, die diese Möglichkeit haben, geben irgendwann auf und ziehen geschlagen in den Suburb oder zurück in die Stadt ihrer Eltern.

Fäule und Feuchtigkeit

Migrant:innen oder Blue-Collar-Arbeiter:innen stapeln sich entweder im Wohnraum oder schaffen es nur an die Tore von New York – sie pendeln aus der Peripherie hinein. Momentan kostet eine Ein-Zimmer-Wohnung in der Stadt der Träume albtraumhafte 4000 Dollar (etwa 3.500 Euro). Das ist fast das Dreifache des nationalen Durchschnitts. Funkelnd ist eine solche Wohnung allerdings nicht: Das Internet ist voll mit Wohnungsführungen von Menschen, die es kaum glauben können, am vermeintlichen Nabel der Welt zu sitzen und dabei in einer Substandard-Wohnung gegen Feuchtigkeit und Fäule zu kämpfen.

Zohran Mamdani kommt aus einem wohlhabenden Elternhaus. Er konnte es sich leisten, sich während der Uni sozial zu engagieren (und als Musiker zu arbeiten) – später hat er in der Wohnungsberatung gearbeitet und kennt von dort die Nöte der New Yorker:innen ganz genau. Es ist einfach zu teuer.

Sozialer, also leistbarer Wohnbau soll jetzt nach New York kommen. So will es Mamdani – seine Kritiker:innen sehen damit natürlich dem Kommunismus Tür und Tor geöffnet. Österreicher:innen kann da die Brust vor Stolz schwellen, denn in dem Zusammenhang wird in den USA auch immer wieder Wien angeführt.

Denn Wien war lange auf sämtlichen Rankings auf Platz eins in Sachen Lebensqualität. Hauptgrund sind die vergleichsweise günstigen Mieten (auch wenn hier so manche Wiener:in die Augen verdreht). Erst vor Kurzem hat die WZ über die steigenden Preise in der Hauptstadt berichtet.

„Toward the Vienna model"

Dennoch: Lange Zeit genoss Wien den Ruf des Mieterparadieses. Und auch Zohran Mamdani nennt das Wiener Modell als eine seiner Inspirationen, heißt es. Im Juli 2025 wurde ein Video aufgenommen, in dem Mamdani erklärt, wie er den Wohnungsmarkt in New York revolutionieren will: „Um weiter in Richtung des Wiener Modells zu gehen, müssen wir über den Markt hinausgehen.“ Er wolle Schritt für Schritt Wohnungen zu Marktpreisen kaufen und dann in gemeinschaftlichen Wohnraum umwandeln. Mit Hilfe des Reichtums von NYC sollen soziale Wohnungen von hoher Qualität errichtet werden.

„Aufgewärmte sozialistische Fantasie"

Kritiker:innen haben bald die Angst verlauten lassen, dass es dann am Wohnungsmarkt so gar nichts mehr zu verdienen gibt, und alles verstaatlicht wird. Ein Meinungsartikel eines pensionierten republikanischen Senators aus NYC namens George Winner warnt vor Zuständen wie in Wien. Der „Wiener Plan“ von Mamdani sei eine „wieder aufgewärmte sozialistische Fantasie, die überall, wo sie versucht wurde, gescheitert ist“, schreibt Winner. Der Wiener Plan bestehe laut Winner aus „massiv vielen Stadt-eigenen Gebäuden, wo statt Privaten die Regierung als Vermieter agiert.“

So weit, so gut. Aber Winner warnt weiter: „In der Theorie bedeutet das günstigere Mieten unter dem Marktwert. Aber in der Realität bedeutet das höhere Steuern, längere Wartelisten, ein System von Vitamin B – und die Wohnungen gehen eher an die, die jemanden kennen, als die, die es wirklich brauchen.“

All diese Gefahren sind offenbar viel schlimmer als die besagten 4000 Dollar für eine Einzimmerwohnung.


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Infos und Quellen

Daten und Fakten

Zohran Mamdani gilt als demokratische Zukunftshoffnung. Zumindest in New York, wo er am 4. November als 111. Bürgermeister mit mehr als 50 Prozent der Stimmen gewählt wurde. Mamdani, der mit 1. Jänner 2026 sein Amt antritt, hat in seinem Wahlkampf ein leistbares New York versprochen. Er will sozialen Wohnbau forcieren und eine Mietpreisbremse einführen. Alle seine diesbezüglichen Pläne sind auf seiner Wahlseite zu finden,

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Das Thema in anderen Medien

Der Standard: Zohran Mamdani gewinnt Bürgermeisterwahl in New York City

The Center Square: Mamdani's Vienna Plan would wreck New York's Housing

Grabien News: Zohran Mamdani: We will slowly buy up the housing on the private market

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