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Durch die Verkäufe von Tractive und Emmi AI fließt wieder mehr Geld in die österreichische Start-up-Szene. Das kann wiederum Bewegung in das Ökosystem bringen.
Die österreichische Startup-Szene war im vergangenen Jahrzehnt geprägt von großen Verkäufen, wie denen der Lauf-App Runtastic und der Diabetes-Plattform MySugr. In den vergangenen fünf Jahren kam jedoch die Ernüchterung: Einstige Start-up-Lieblinge wie Bitpanda oder GoStudent mussten nach Milliardenbewertungen Einsparungen treffen und Personal abbauen. Kleinere Jungunternehmen erhielten nicht genügend Investorengelder und viele von ihnen gaben deshalb auf. Diese Flaute könnte jetzt vorbei sein, denn innerhalb weniger Wochen gab es zwei nennenswerte Exits in der Startup-Branche, also Übernahmen durch größere Unternehmen. Beide könnten das Unternehmertum in Österreich wieder ankurbeln.
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Haustier-Tracking und Künstliche Intelligenz
Zum einen geht Tractive, ein Anbieter von Haustier-Tracking, an den italienischen Konzern Bending Spoons. Das Unternehmen wurde 2012 im Umfeld von den Runtastic-Gründern in Linz gegründet und hat eigenen Angaben zufolge 1,4 Millionen Nutzer:innen. Im Jahr 2024 machte Tractive demnach rund 100 Millionen Euro Umsatz, vergangenes Jahr sollen es zwischen 35 und 40 Prozent mehr gewesen sein. Im März kündigte Bending Spoons die Übernahme an, im Mai wurde sie schließlich abgeschlossen. Der Kaufpreis wird nicht kommuniziert, er soll Berichten zufolge zwischen 300 und 500 Millionen Euro liegen. Damit dürfte es sich um einen der größten Startup-Deals in Österreich handeln. Zum Vergleich: Adidas zahlte 2015 rund 220 Millionen Euro für Runtastic.
In dieser Größenordnung soll sich der zweite Deal bewegen. Das französische KI-Startup Mistral übernimmt das 2024 ebenfalls in Linz gegründete Emmi AI. Bei Emmi AI handelt es sich um ein Spin-Off der Johannes-Kepler-Universität, das KI-Modelle für physische Prozesse entwickelt. Mistral AI gilt als die europäische Antwort auf den ChatGPT-Betreiber OpenAI und wurde zwei Jahre nach der Gründung bereits mit 11,7 Milliarden Euro bewertet. Für das Unternehmen handelt es sich um ein strategisches Investment: Die mehr als 30 Mitarbeiter:innen von Emmi AI werden bei Mistral integriert, und das französische Startup baut damit eine Präsenz in Linz mit rund 100 Mitarbeiter:innen auf. Die Technologie von Emmi AI soll in Industriebereichen wie dem Automobil- und dem Luftfahrtsektor zum Einsatz kommen.
Was Exits für die Startup-Szene bedeuten
Startup-Übernahmen sind für die Wirtschaft deshalb so wichtig, weil sie bestenfalls zu mehr Investitionen in den Standort führen. Viele Gründer:innen nutzen ihre Einnahmen, um selbst in Startups zu investieren. So hatte Tractive unter anderem das Runtastic-Gründerteam als Investoren. Der frühere Runtastic-Chef Florian Gschwandtner betreibt mittlerweile den Business-Podcast BTM, veranstaltet damit auch Konferenzen und leistet so seinen Beitrag für die heimische Gründer:innenszene. Für Investor:innen sind die beiden Deals auch ein Zeichen dafür, dass Startup-Investments durchaus lukrativ sein können – wenn man den langen Atem dafür hat. Denn während die Emmi-Geldgeber:innen relativ rasch einen Gewinn machten, dauerte es bei Tractive mehr als ein Jahrzehnt.
Investitionen in Standort und Talente
Ausländische Übernahmen haben jedoch auch ihren Preis. So behielt Adidas zwar die Marke und den Standort von Runtastic vorerst, stellte beide aber nach neun Jahren ein. Exits sind also kein Garant für eine langfristige Standortstrategie. Der neue Eigentümer von Tractive, Bending Spoons, hat in den vergangenen Jahren große Plattformen wie Eventbrite oder Komoot übernommen und alle werden noch unter ihren Marken weitergeführt. Das könnte dafür sprechen, dass auch Tractive vorerst eigenständig weiterarbeiten wird. Im Fall von Emmi AI dürfte es sich hingegen um ein sogenanntes Aqui-Hire handeln, also die gezielte Übernahme von Talenten. Das ist zumindest ein Zeichen dafür, dass Österreich über wertvolle KI-Forschung verfügt.
Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.
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Infos und Quellen
Daten und Fakten
- Der italienische Tech-Konzern Bending Spoons übernimmt die Haustier-Tracking-Plattform Tractive, der Kaufpreis liegt laut Insidern bei bis zu 500 Millionen Euro.
- Der französische OpenAI-Mitbewerber Mistral übernimmt das Linzer KI-Startup Emmi AI und baut einen österreichischen Standort auf.
- Beide Deals zählen Berichten zufolge zu den größten Deals der heimischen Startup-Szene.
Quellen
- Trending Topics: Tractive-Übernahme durch Bending Spoons ist durch
- Business Wire: Bending Spoons Closes Acquisition of Tractive
- Brutkasten: Tractive und die größten Startup-Exits der österreichischen Geschichte
- Mistral AI: Emmi joins Mistral to accelerate the AI-native industry
- Brutkasten: Mistral AI übernimmt Linzer Startup Emmi AI und startet Österreich-Standort
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