Wien/Alpbach. Von der Antike über die Aufklärung bis in unsere Gegenwart: Die Idee von der Gleichheit aller Menschen treibt die Politik um. Mit der enormen Beschleunigung der Globalisierung und nicht zuletzt mit dem Ausbruch der Finanzkrise hat diese Frage neue Aktualität erhalten. Entsprechend widmet sich das Europäische Forum Alpbach, das kommenden Mittwoch in dem Tiroler Bergdorf startet, dem Generalmotto "UnGleichheit". Die "Wiener Zeitung" beleuchtet aus diesem Anlass das Thema in dieser Ausgabe aus den verschiedensten Blickwinkeln - unter anderem mit einer umfassenden Strecke im "Wiener Journal".

Mit dem Problem der Ungleichheit befasst sich auch der Rat für Forschung und Entwicklung. Im Buch "Die Gestaltung der Zukunft", das dessen Vorsitzender Hannes Androsch in Alpbach präsentieren wird, fordert der ehemalige SPÖ-Politiker und jetzige Industrielle einen radikalen Umbau des Budgets: 15 Milliarden Euro, das entspricht fünf Prozent der Wirtschaftsleistung der Republik, sollten in den Bereich Bildung und Forschung fließen - und zwar ohne im Gegenzug die Steuern zu erhöhen, fordert Androsch.

Ziel ist es, mit diesen Investitionen in die Bildung und Ausbildung der Menschen die Innovationsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft zu steigern. Als deren "größten Feind" bezeichnet Androsch das bestehende Sozialsystem, das sich auf ein antiquiertes Kursystem, teure Leistungen wie die Hacklerregelung und sinnlose Bürokratie stütze, statt darauf, "Talente zu fördern".

Der rot-schwarzen Bundesregierung rät der ehemalige Finanzminister, mutiger zu denken. Wenn immer mehr Arbeitskräfte durch Roboter ersetzt würden, sei die Einführung einer Robotersteuer, wie dies der Sozialminister fordere, der definitiv falsche Weg. Vielmehr müssten die heimischen Arbeitskräfte in die Lage versetzt werden, solche hochspezialisierten Maschinen selbst zu entwickeln.

Dass Gleichheit als politisches Ziel alles andere als unbestritten ist, zeigt schließlich das Streitgespräch zwischen der linken Aktivistin Barbara Blaha und dem liberalen Kolumnisten Christian Ortner, zu dem die "Wiener Zeitung" bat. Während Ortner "einen Tick zu viel Gleichheit" in Österreich konstatiert, fordert Blaha die Überwindung des Kapitalismus.