Alpbach. Aus Science Fiction-Filmen kennen wir Roboter, die zum besten Freund des Menschen werden. Zwar ist das in der Forschung eigentlich keine Priorität, doch gibt es immer wieder Versuche, den Maschinen menschliche Eigenschaften zu verleihen. Roland Siegwart, Robotics-Experte am ETH Zürich, erklärt am Europäischen Forum Alpbach, wo er dabei die Grenze sieht.

"Wiener Zeitung": Was sehen, hören und fühlen Roboter? Wie sehr ist es bis heute gelungen, einer Maschine unsere menschlichen Sinne zu verleihen?

Roland Siegwart: Was Roboter heute gut können, ist sehen. Kameras haben heute eine sehr gute Qualität und Auflösung und sind überall vorhanden. Jetzt ist die Frage, wie gut man das, was es zu sehen gibt, interpretieren kann. Hören können sie auch ganz gut, das kennen wir vom Mikrofon. Riechen ist immer noch sehr schwierig. Es gibt schon lange eine Vision, dass man einmal eine künstliche Nase erschaffen wird, doch heute sind es immer noch die Hunde, die Drogen am Zoll erschnüffeln sollen.

Und das Tasten?

Roboter spüren schon etwas. Es gibt Sensoren, die tasten können, aber das ist noch sehr weit davon entfernt, was ein Mensch kann und was die Natur entwickelt hat. Ein Beispiel ist das Halten eines Glases. Das lernen wir in der Jugend und es braucht bis zu vierzehn Jahre, bis man das richtig kann. Dabei halten wir mit einer Kraft, die nur zehn Prozent über der Minimalkraft ist, damit es nicht rutscht. Das ist eigentlich eine Energieoptimierung, die perfekt ist. Dafür benötigt man sehr feine Sensoren, mit denen man auch spürt, wenn es anfängt zu rutschen. Das können die heutigen Roboter noch nicht.

Bei welchen Tätigkeiten ist es Ihrer Meinung nach sinnvoll, Roboter einzusetzen? Viele Bereiche der Fließbandarbeit werden schon lange von Maschinen erledigt. Könnten Roboter in der Zukunft auch kreative Aufgaben übernehmen?

Langfristig wahrscheinlich schon. Kurzfristig werden Roboter nicht sehr viele kreative Aufgaben übernehmen, sondern eher Arbeiten, die für Menschen unangenehm oder auch gefährlich sind. Beispiele dafür sind Mienensuche oder auch Arbeit auf Baustellen. Die meisten Unfälle im Arbeitsumfeld passieren auf Baustellen. Diese Tätigkeiten sind heute noch relativ wenig automatisiert. Man kann sicher durch Robotersysteme viel verbessern, damit das Risiko kleiner wird und Menschen nur noch übergeordnete Aufgaben übernehmen müssen.