Vivienne Westwood mit Ehemann Andreas Kronthaler in Alpbach. - © Luiza Puiu
Vivienne Westwood mit Ehemann Andreas Kronthaler in Alpbach. - © Luiza Puiu

Alpbach. "Politiker sind Verbrecher, weil sie durch das, was sie tun Klimawandel verursachen und in Folge auch zum Massensterben aller Lebensformen beitragen", Vivienne Westwood drückt sich gerne radikal aus, wenn es um ihr wichtigstes Anliegen geht: das Wohlergehen der Welt und ihrer Bewohner. Die Britin zählt zu den bedeutendsten Modedesignerinnen weltweit, doch längst steht sie auch noch für viel mehr – für politischen Aktivismus. Donnerstagabend hat sie mit ihrem Mann Andreas Kronthaler und Moderatorin Clarissa Stadler beim Europäischen Forum Alpbach über das diesjährige Generalthema "UnGleichheit" gesprochen.

Mit einem langen, schwarzen Wickelkleid mit großem Kragen und spitzen Schultern betritt Westwood die Bühne. Sie ist freundlich, fast wirkt sie ein bisschen nervös. Migranten seien ihr wichtigstes Thema momentan, darüber würde sie gerne reden, wenn die Zeit reicht. Clarissa Stadler muss Westwood erst einmal beruhigen, die von einem Thema ins nächste stolpert, um dann zu bemerken, dass es ja eigentlich noch viel mehr gibt was wichtig wäre: "Nehmen sie sich die Zeit, die sie brauchen, um über ihre Themen zu reden. Uns stresst nichts."

"Assange ist einer der Helden der Menschheit."

Sie sei eine Aktivistin und da bekomme sie nicht so oft die Gelegenheit zu reden, meint Westwood, das müsse sie ausnützen. Zu Beginn sollte man wissen, dass das Bankenwesen und die Politik unter einer Decke stecken. Die Bevölkerung werde von dem "gesichtslosen Bösen" manipuliert mittels Propaganda. Der Joker in dem ganzen Spiel? Die Presse. Ob das mit ein Grund sei, wieso sie Julian Assange unterstütze, fragt Stadler. "Assange ist einer der Helden der Menschheit. Was er mit WikiLeaks getan hat, ist, dass er eine Bibliothek von Wahrheiten aufgebaut hat", gibt Westwood als Antwort.

Wann sie zur Aktivistin geworden sei? Vor sechs Jahren, damals hat sie sich zuerst für den Regenwald eingesetzt, gemeinsam mit einer Freundin, denn "man sollte so etwas nie alleine machen!" Wie jeder Einzelne hier im Saal etwas für die Umwelt tun könne? "Soweit es geht auf Plastik verzichten!" Dass dies gerade in der Modeindustrie schwierig bis kaum machbar ist, sei ihr bewusst. Sie arbeite aber an einer Lösung.

Ein drastisches Conclusio

Eines ihrer Projekt ist die "Politicians are criminals" Kampagne. Denn es sei ein schreckliches Spiel, welches gespielt wird und dann muss aufgezeigt werden. Der Finanzmarkt sei so gemacht, um Armut zu erzeugen. Wenn man von Migranten spricht, sollte man auch die Ursachen überdenken. Es gehe gar nicht immer nur um Krieg, sondern um Klimawandel, verursacht eben durch schlechte Politik. Wenn wir nicht anfangen etwas dagegen zu machen, werden wir alle zu Migranten, zieht Westwood ein drastisches Conclusio.

Ihr neuestes Projekt heißt "Save the arctic": Für jedes gekaufte T-Shirt geht Geld an Greenpeace. Das Design hat Andreas Kronthaler gemacht. Was sie denn dazu sage, dass US-Präsident Barack Obama sich ebenfalls für die Rettung der Arktis einsetze? "Das ist natürlich schön zu hören, aber stimmt nur bedingt und passiert nicht einfach so aus gutem Willen. Vielleicht können wir am Ende seiner Amtsperiode sagen, dass Obama ein Politiker ist, bisher ist er ein Verbrecher, so wie alle anderen." Trotz des bösen Geredes, brauchen wir aber Politiker, räumt sie doch noch ein. Denn sie müssen sich um eine Veränderung kümmern. Die erste Frage wäre etwa: "Warum fließt das ganze Geld sofort in die Banken und nicht zuerst zu Krankenschwerstern und Lehrern?" Wir müssen unsere Werte überdenken - das Publikum klatscht.