Alpbach. Gentrifizierung ist ein häufig verwendeter Begriff, wenn es um Verdrängungsmechanismen in Städten geht. Ehemalige "Scherbenviertel" werden zu hippen Stadtteilen, auf Künstler folgen Kleinfamilien, Mietwohnungen werden zu Eigentum. Doch für die Soziologin Saskia Sassen geht der Begriff Gentrifizierung nicht weit genug. Vielmehr verhindere er darüber nachzudenken, was in den Städten wirklich passiert. So sei großteils unsichtbar, wer die Städte wirklich besitzt. Dabei gelte es, gerade diese Eigentumsverhältnisse sichtbar zu machen.

Neue Immobilienmärkte 

In ihrem Eröffnungsvortrag der Baukulturgespräche in Alpbach wies sie auf eine Entwicklung hin, die Städte mittlerweile entscheidend verändert. nämlich dass der globale Finanzkapitalismus die Lebensräume der Menschen von New York über London bis Shanghai enorm verändert. "Kataris besitzen in London mittlerweile mehr Immobilien als die Queen of England", sagt sie. Neue Immobilienmärkte entstehen, geprägt von Briefkastenfirmen. Viele Häuser stehen leer und verkommen. London und New York seien die dramatischsten Fälle, gefolgt von Tokio, Los Angeles, San Francisco, Paris, so Sassen weiter.

Chance der Machtlosen

Dies sei eine beunruhigende Entwicklung - sie höhlt die Städte aus und vertreibt die Menschen aus der Stadt. "Städte sind Orte, in denen auch die Machtlosen die Möglichkeit haben, Geschichte, Kultur und Wirtschaft zu gestalten", so Sassen. Aber wenn sich der der Ausverkauf in diesem Maßstab fortsetze, verlieren wir diese Chance.