"Wiener Zeitung": Was macht den Zugang des Teleinternetcafe zur Stadtplanung innovativ?

Verena Schmidt: Wir machen vor allem städtebauliche Projekte und wir haben einen Städtebau-Wettbewerb in München gewonnen. Dabei ging es darum, ein ehemaliges Kasernenareal in ein gemischtes Quartier zu transformieren. Es gibt dort heute schon sehr viele kreative Zwischennutzer und wir wollten diese als Ausgangspunkt nehmen, als anderes Planungsinstrument, um einen innovativen Prozess anzustoßen, der keinen Masterplan hat, sondern einen lange angelegten Entwicklungsprozess mit mehreren Phasen.

Wie unterscheidet sich das von der klassischen Planungsvorgehensweise?

In der klassischen Bauplanung legt man fest, wo die Gebäude sind, wie sie genutzt werden, wie dicht man wird und wie hoch. Wir haben das nur für gewisse Bereiche gemacht und bei anderen Bereichen haben wir es sehr offen gelassen. Wir glauben, dass man so Flexibilität bekommt, um die lokalen Nutzer stärker einzubinden, das dauert nämlich einfach länger als wenn man das vorplant. Zum anderen sind wir so vorgegangen, um flexibel auf die Zukunft reagieren zu können. Diese Zwischennutzungen etwa testen viele Ideen, entwickeln über längere Zeit und so können wir ganz ortsspezifische Qualitäten herbeiführen. Das kann man nur, wenn die Planung einen gewissen Grad an Offenheit hat.

Fordern Bürger heute stärker ein Mitbestimmungsrecht bei der Stadtplanung ein?

Wir sind mitten in einem Paradigmenwechsel. Bürger beanspruchen ihr Recht auf Stadt wieder stärker. Es gab viele Großprojekte wie Stuttgart 21, bei denen es viel Protest gab. Daraus hat man gelernt, dass man die Leute von vornherein stärker einbinden muss. Zum anderen glaube ich nicht, dass man in der ganzen Stadt das gleiche Maß an Partizipation anwenden muss. Dort wo schon Nutzer sind und man Akzeptanz für neue Planung schaffen muss, ist es sehr wichtig, aber es ist sehr aufwendig. Wenn man eine gute Strategie für die Gesamtstadt hat und Partizipation je nach Kontext einsetzt funktioniert es am besten. Es muss nicht immer bottom-up sein, es gibt auch klassische Bauherrn und viele verschiedene Zugänge und ich glaube, das wird immer so sein.