Sie beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit Kriminalität. Wie sieht das Kriminalitätsniveau aus?

Wenn Menschen nach dem Kriminalitätsniveau befragt werden, antworten sie meist zu jeder Zeit, dass die Kriminalität steigt. Sie überschätzen deren Niveau. Durch die Polarisierung in der Flüchtlingsthematik wird dieses Gefühl verstärkt. Wenn wir aber die polizeiliche Kriminalstatistik in Deutschland heranziehen, stellen wir fest, dass das Kriminalitätsniveau im Zeitvergleich tatsächlich gesunken ist.

Wie hat sich die Kriminalität im Kontext der gestiegenen Zuwanderung entwickelt?

2009/10 lag der Anteil der tatverdächtigen Nichtdeutschen an allen Tatverdächtigen etwas über 20 Prozent. Danach sind die Zahlen und damit die Anteile der nichtdeutschen Tatverdächtigen in die Höhe gegangen. Der Höhepunkt wurde 2016 mit einem Anteil von gut 40 Prozent erreicht. Hierin enthalten sind jedoch ausländerspezifische Straftaten. Wenn wir diese herausrechnen – das sind etwa illegale Einreise und illegaler Aufenthalt – dann stellen wir fest, dass der Anteil der tatverdächtigen Nichtdeutschen zurückgeht. 2016 lag er bei 31 Prozent. Schauen wir uns die Entwicklung der Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße an, dann sind die registrierten Straftaten im 20-Jahres-Vergleich so niedrig wie nie zuvor. Das Interessante ist aber, dass wir hier nur das Hellfeld haben.

Was bedeutet das?

Die polizeiliche Kriminalstatistik bildet nicht die Realität ab. Dort kommen nur die Straftaten hinein, die durch Anzeigen oder Kontrolltätigkeit der Polizei registriert worden sind. Das Dunkelfeld variiert bei den Delikten. Wenn man Veränderungen über die Zeit feststellen will, also wie sich Hell- und Dunkelfeld verändert, dann bräuchte man eigentlich Dunkelfeldstudien. Die gibt es aber nur in begrenztem Maße in Deutschland.

Wie funktioniert Dunkelfeldforschung?

Bei Jugendlichen gibt es Befragungen zu selbst begangenen Delikten. Jugendliche deshalb, weil sie auskunftsfreudiger sind als die Erwachsenen. Befragt werden gerne die neunten Klassen, da gibt es viele Studien über die Jahre hinweg. Interessant dabei ist, dass man sowohl im Hell- als auch im Dunkelfeld festgestellt hat, dass die Kriminalität zurückgeht. Da gibt es einen konsistenten Befund. Wenn man noch zwischen Jugendlichen ohne und mit Migrationshintergrund unterscheidet, ist zu erkennen, dass auch bei Letzteren die Kriminalität zurückgeht. Die Delikte von Jugendlichen mit Migrationshintergrund unterscheiden sich durch ihre Ethnie. Es gibt Ethnien, die noch weniger auffallen als die Deutschen. Jugendliche mit einer höheren Gewaltbelastung waren die, die aus der Türkei oder Ex-Jugoslawien stammen. Bei ihnen ist das Gewaltniveau aber inzwischen gesunken.