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  • vom 13.01.2016, 14:35 Uhr

Veranstaltungen

Update: 13.01.2016, 16:51 Uhr

Impressionen von den Alpbach Talks

Flucht und Integration – die Menschen hinter den Zahlen


<div>Zum ersten Alpbach Talk des Jahres fanden am 12. Jänner 2016 an die 400 Gäste den Weg ins Odeon Theater.</div> - © Fotos: Simon Rainsborough  "Flucht und Integration - die Menschen hinter den Zahlen" war der Titel der Veranstaltung zu dem die Wiener Zeitung gemeinsam mit dem Europäischen Forum Alpbach einluden.  Caspar Einem, Vizepräsident des Europäischen Forum Alpbach sprach eingangs von der Notwendigkeit, die Angst auf beiden Seiten zu überwinden und stellte die Podiumsgäste vor.  Die Herausforderung bestehe darin, nicht zu verallgemeinern, sondern den Blick auf das Schicksal der Einzelnen zu richten, sagte Dr. Wolfgang Riedler, Geschäftsführer der Wiener Zeitung, in seiner Begrüßung.  Am Podium diskutierten ...  ... die Filmemacherin Nina Kusturica, die mit 17 Jahren mit ihrer Familie aus Bosnien nach Österreich kam, und ...  ...Kilian Kleinschmidt, der sich seit 1988 als Entwicklungshelfer in Krisengebieten engagiert.  Moderiert wurde der Abend vom stellvertretenden Chefredakteur der Wiener Zeitung, Dr. Walter Hämmerle.  In dem Moment, in dem man das Zuhause verlässt, das unter Beschuss ist, weiß man noch nicht, dass man Flüchtling wird...  Die Hoffnung ist groß, dass man nach Hause zurückkehren kann, erzählt Kusturica von ihren Erfahrungen.  Flucht ist nicht nur eine Flucht vor dem Krieg, vor der Armut, vor der Verzweiflung, erzählt Kleinschmidt, Flucht heißt auch, man versucht sich neue Perspektiven, ein neues Leben aufzubauen.  Man will wieder als Mensch wahrgenommen werden, denn Krieg und Armut führen zu einer Entmenschlichung. Aber man wird nicht mehr als Person wahrgenommen, sondern als Massenware, so der Entwicklungshelfer.  Kleinschmidt erzählt von den Flüchtlingslagern, in denen er gearbeitet hat. Im jordanischen Lager Zaatari habe 2013 keiner von Europa geredet. Nach Europa wollte keiner.  Die Menschen wollten ganz schnell wieder zurück in die Heimat, nachdem der Krieg gewonnen wurde. Als Kleinschmidt das Lager wieder verließ, haben ihn einige gebeten, sie mitzunehmen.  Denn es gibt dort keine Perspektiven. Es gibt etwas zu essen, aber es gibt keine vernünftige Ausbildung.  Es ging nicht darum, ins gelobte Land zu kommen, sagt Kleinschmidt. Man wollte nicht mehr nur eine Nummer sein, man wollte wieder Mensch sein, seinen Kindern die Chance geben, wieder Kind zu sein.  Auch die Ereignisse aus der Silvesternacht wurden angesprochen.  Gewalt gegen Frauen, Gewalt in der Familie ist ein Thema, das unsere Gesellschaft seit langem begleitet, sagte Kusturica.  Chauvinismus und Gewalt haben nichts mit Herkunft zu tun, sonst wäre in Österreich nicht jede dritte Frau davon betroffen, so die Filmemacherin.  Kleinschmidt hat sich anlässlich der Ereignisse in Köln an die Ereignisse im Flüchtlingslager Zaatari erinnert gefühlt.  Die Kinder dort waren die gefährlichsten, die er jemals in seinem Leben erlebt habe, sagt er.  Warum waren die Kinder gefährlich?    Weil die gesamte Gesellschaftsstruktur zusammengebrochen war. Es gab keine gesellschaftlichen Werte, keine Erwachsenen, die den Kindern gesagt haben, man wirft nicht mit Steinen auf die Menschen der Hilfsorganisationen. Mit viel Geduld, Tee trinken und Reden wurde die Kontrolle wieder hergestellt.  Massenhaltung statt Dialog beklagt Kleinschmidt. Wir müssen reden! Und wir müssen uns gegenseitig begreifen!  Was hat das Sprechen mit den Taten zu tun, fragt Kusturica. Es gibt die Theorie, die Gesetze und dann gibt es die Praxis und die stimmen nicht überein! Es gibt Menschenrechtskonventionen und die europäische Politik respektiert überhaupt nicht, was am Papier steht.  Soll jeder kommen können, der kommen möchte?  Diejenigen, die kommen möchten, werden kommen. Egal, ob ich Zäune oder Mauern errichte. Das ist eine Realität, mit der wir klarkommen müssen.  Wir müssen uns damit auseinandersetzen, dass unsere Gesellschaft sich fundamental verändern wird. Wir werden alle viel bunter werden. Zu einem wilden Gemisch von allen möglichen.  Wir müssen uns ebenso damit auseinandersetzen, wie man die Welt auf der anderen Seite ein bisschen verbessert. Wir teilen ja ziemlich wenig von unserem Wohlstand. Wir haben es bisher nicht geschafft in irgendeiner Form das zurückzugeben, was wir von den anderen jeden Tag nehmen,meint Kleinschmidt.  Das Publikum ...  ... hatte ...  ... viele Fragen.       - © Fotos: Simon Rainsborough                       - © Simon Rainsborough   - © Simon Rainsborough   - © Simon Rainsborough   - © Simon Rainsborough  Nach der Diskussion hatte das Publikum auch die Gelegenheit sich mit den Podiumsgästen auszutauschen.            Und sich bei einem Glas Wein noch zu unterhalten.     



  • Sehenswert (4)





  • 12. Jänner 2016, Odeon Theater

Wir reden über Zahlen, Ströme und Massen. Aber wie ticken Kinder, Frauen und Männer auf der Flucht? Die erfolgreiche Filmemacherin Nina Kusturica weiß aus eigener Erfahrung, was es bedeutet, in einem fremden Land neu zu beginnen. Sie flüchtete 1992 als Kind aus Bosnien und setzt sich in ihrer filmischen Arbeit intensiv mit den Themen Flucht und Migration auseinander. Sie erzählte, wie sie es geschafft hat, in Österreich eine neue Heimat zu finden.
Kilian Kleinschmidt war als Entwicklungshelfer für die UN in Krisengebieten wie Somalia, Kosovo und Pakistan im Einsatz, managte in Jordanien eines der weltweit größten Flüchtlingslager und berät seit Herbst 2015 die österreichische Bundesregierung. Er gab einen Einblick in seine undogmatische, unkonventionelle und unbürokratische Arbeitsweise und erklärte, warum er es für so wichtig hält, jeden Flüchtenden als Individuum wahrzunehmen.

Information

Im "Themenchannel: Integration" finden Sie Artikel zum Thema.

Die Diskussion ist auf der Seite des Europäischen Forum Alpbach nachzuhören.


Datum: Dienstag, 12. Jänner 2016, 18.30 Uhr
Ort: Odeon Theater, Taborstraße 10, 1020 Wien

Begrüßung
Caspar Einem, Vizepräsident, Europäisches Forum Alpbach
Wolfgang Riedler, Geschäftsführer, Wiener Zeitung (tbc.)

Diskussion
Kilian Kleinschmidt, Global Networker & Humanitarian Expert, Innovation & Planning Agency, Wien
Nina Kusturica, Regisseurin, Produzentin, Cutterin, Wien

Moderation
Walter Hämmerle, Stellvertretender Chefredakteur, Wiener Zeitung, Wien

Die Reihe "Alpbach Talks" wurde ins Leben gerufen, um die offene, zukunfts- und lösungsorientierte Diskussionskultur des Europäischen Forums Alpbach nach Wien zu bringen.




Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-01-13 14:35:46
Letzte Änderung am 2016-01-13 16:51:22

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