Wien. (mel) Der heimische Wirtschaftsmotor kommt in Fahrt - und zwar noch schneller als ursprünglich erwartet. Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat ihre Konjunkturprognose für 2011 gleich um einen Prozentpunkt auf 3,2 Prozent nach oben revidiert. Damit dürfte das österreichische Wirtschaftswachstum deutlich über jenem der gesamten Eurozone liegen: Für diese wird eine Bandbreite von 1,5 bis 2,3 Prozent erwartet.

Trotz der positiven Entwicklung nutzte OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny die Präsentation der Prognose am Freitag, um eine klare Warnung in Richtung Politik auszusprechen: Zwar werde - dank der guten Konjunktur - das Budgetdefizit mit drei Prozent deutlich besser ausfallen als früher angenommen. "Das darf aber nicht dazu führen, dass die Konsolidierung gebremst wird", so Nowotny.

Heuer hohe Inflation

Der OeNB-Chef verweist darauf, dass selbst das starke Wirtschaftswachstum, das bis 2013 erwartet wird, nicht ausreicht, um die Staatsschuldenquote nennenswert zu reduzieren (siehe Grafik). Nowotny wendet sich entschieden gegen "neue Begehrlichkeiten - seien es Ausgabenerhöhungen oder Steuersenkungen.

Rasch sei die Senkung der Schuldenquote auf das Maastricht Niveau von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ohnehin nicht machbar, meint der OeNB-Chef. Er hält einen Zehn-Jahres-Zeitraum für möglich. Nowotny pocht darauf, die kürzlich vom Internationalen Währungsfonds ausgesprochenen Empfehlungen für Österreich ernst zu nehmen. Dabei gehe es vor allem um das Pensions- und das Gesundheitssystem.

Laut Nationalbank erreicht das österreichische BIP heuer erstmals wieder das Vorkrisenniveau. Kehrseite sei dabei die - deutlich höher als bisher erwartete - Inflationsrate von 3,2 Prozent im Jahr 2011. Diese liegt über dem Durchschnitt der Eurozone. Nowotny macht zwar primär die steigenden Energie- und Nahrungsmittelpreise für die Teuerung verantwortlich, es gebe jedoch auch "Österreich-Spezifika".

Zu wenig Wettbewerb?

Einerseits nennt der OeNB-Gouverneur dabei die zuletzt durchgeführten Steuererhöhungen, andererseits stelle sich aber auch die Frage, ob möglicherweise das Wettbewerbsverhalten in der österreichischen Wirtschaft geringer sei als in anderen Ländern. Die Nationalbank will diesem Verdacht in den kommenden Monaten mit detaillierten Analysen nachgehen. Besonderes Augenmerk wird dabei auf - noch ungenannte - Dienstleistungsbereiche und auf den Energiesektor gelegt.

Obwohl die Inflation derzeit hoch ist, sieht die Nationalbank im Moment keine überproportional hohen Lohnabschlüsse. Die Entwicklung liege sogar eher unter jener, die man aufgrund des Konjunkturzyklus erwarten könnte, so OeNB-Chef-Volkswirt Peter Mooslechner. Grund für die Zurückhaltung sei die erst kurz zurückliegene Krisenerfahrung.