Überleben war "reine Glückssache"
Am Samstag und Sonntag mussten die Häftlinge zur Schikane Steine vom nahegelegenen Steinbruch ins Lager und wieder zurücktragen. "Der Mensch hält viel aus, aber es war alles reine Glückssache das Überleben", wiederholt Fantl immer wieder. Ihn selbst gerettet habe, dass ein deutscher Meister, der bei der Reichsbahn als Oberaufseher arbeitete, ihm jede Woche zwei oder dreimal Essen gebracht habe. "Er hat das Essen mit dem Schweißapparat aufgewärmt und in dem Bremshäusel auf einem Waggon konnte ich das heimlich essen, solche Menschen hat es auch gegeben."

Den Tag der Befreiung Ende Jänner 1945 hat der damals 20-Jährige im Außenlager Blechhammer erlebt. Die russischen Truppen befreiten und verpflegten die wenigen völlig ausgehungerten Überlebenden. Glücklicherweise hielt sie ein älterer Freund von Fantl davon ab, zu viel zu essen. "Der hat uns das Essen eingeteilt, damit wir nicht zu viel essen." Denn viele starben noch nach der Befreiung, weil ihre Körper das Essen nach jahrelangem Hungern nicht mehr vertrugen.

Zunächst fuhr Fantl nach Theresienstadt, wo er seine Mutter und Schwester 1944 das letzte Mal gesehen hatte, und erfuhr erst dann von ihrem Tod. Die Rückkehr nach Wien war schwierig, erzählt er. "Es war sehr schwierig, so ganz alleine dazustehen, nur mit einem Sakko, einer Hose und sonst nix."

Elternhaus wurde restituiert
Das Haus seiner Eltern in Bischofstetten, wo er bis zum Anschluss 1938 eine unbeschwerte Kindheit verbracht hatte, bekam er restituiert, verkaufte es aber. "Es war mir nicht möglich, dort im Ort weiter zu wohnen, wir waren die einzigen Juden dort." Obwohl er sich nicht erinnern konnte, dass er in dem kleinen Ort angestänkert worden wäre.

Nach Auschwitz ist der fast 91-Jährige, der immer noch die tätowierte Häftlingsnummer B-11521 am Unterarm hat, seither nie mehr gefahren. "Das hat mir meine Frau verboten, und es war recht so", erzählt er. Es hat eine Zeit lang gedauert, bis er über das erlebte Grauen sprechen konnte, in den vergangenen Jahrzehnten führte er aber als Zeitzeuge zahlreiche Gespräche mit Schülern und Historikern. Das sei wichtig: "Es gibt ja auch nicht mehr viele Zeitzeugen, die davon erzählen können."