Allerdings sah das vor Jahrzehnten geschlossene Abkommen nur Unterstützung für Menschen vor, die bis 1953 nach Israel eingewandert waren. Wer danach kam, erhielt nur die gesetzlich vorgeschriebene Alterspension. Auch nordafrikanische Jüdinnen und Juden, die zwar nicht in die europäischen Vernichtungsstätten deportiert, jedoch während des Afrika-Feldzugs des Dritten Reichs in Konzentrationslagern in ihren Heimatländern interniert worden waren, blieben von den Zahlungen ausgeschlossen.

"Ich war Kommandant in der israelischen Armee und dachte, ich hätte in dieser Zeit eigentlich genug menschliches Leid gesehen", sagt Kalinsky. Aber die Armut, die er in seinen fünf Jahren als Stiftungsleiter bei manchen Hochbetagten angetroffen hat, überstieg seine Vorstellungen. "Wir säubern und renovieren rund zehn Wohnungen pro Woche, im ganzen Land. Damit diese Menschen nicht mehr in verschimmelten Badezimmern duschen und ihre letzten Jahre in verwahrlosten Wohnungen verbringen müssen."

Jahrzehntelang, sagt Kalinsky, sei das Thema von der israelischen Politik verdrängt worden. "Während der Kriegsjahre nach der Staatsgründung wollte man nichts von denjenigen Opfern hören, die sich wie Schafe zur Schlachtbank hätten führen lassen." Ein Umdenken fand erst vor einigen Jahren statt, und es dauerte bis in den Frühling 2014, dass der damalige Finanzminister Yair Lapid ein Gesamtpaket von einer Milliarde Scheckel (rund 220 Millionen Euro) ankündigte.

Angehobene Pensionen

Damit soll nicht nur die jahrzehntelange Ungleichbehandlung der Holocaust-Überlebenden aufgehoben werden, die nach 1953 in Israel eingewandert waren, sondern auch die Alterspensionen angehoben, Arzneikosten vollumfänglich übernommen und die bürokratischen Hürden für den Anspruch auf Sozialleistungen gesenkt werden. Im Sommer wurde das Paket vom Parlament gutgeheißen. Eine überfällige Maßnahme, meint Kalinsky. "Wir rechnen damit, dass wir in unserem nächsten Bericht eine deutliche Verbesserung der Lebensumstände der Überlebenden feststellen werden."

Dov Jacobovitch hat von dem Regierungspaket gehört, die Anwältin seiner Familie kümmert sich darum. Er hält dem ehemaligen Finanzminister Lapid zugute, dass er nicht nur leere Versprechungen machte. "Ich kannte seinen Vater, er war wie ich im Lager. Sein Sohn kennt unsere Geschichte."

Doch ob er nun tatsächlich eine erhöhte Pension erhält, kümmert Jacobovitch wenig, auch wenn er als langjähriger Speditionsfahrer im Arbeitsleben kein nennenswertes Vermögen angehäuft hat. "Sie haben so lange damit gewartet, uns zuzuhören, bis die meisten von uns tot sind. Wir mussten selbst zurechtkommen. Nun sollen sie das Geld besser den Jungen geben, dort gibt es auch zuviel Armut." Sollte er doch etwas erhalten, will er sich Spezialschuhe kaufen - "und ein Massagegerät für die Beine, damit sie noch eine Weile halten".