Doch damit nicht genug: Pecik erweist sich auch in Österreich - ohne den finanziell weitaus besser abgesicherten Stumpf, Erbauer des Wiener Millennium Towers, als Partner - als überaus umtriebig: Seine RPR Privatstiftung, die an der Spitze eines aus fast 30 Tochter- und Enkelbetrieben bestehenden Firmennetzes (siehe Tabelle) steht, engagiert sich zum Beispiel in den Bereichen Flugunternehmen, Immobilien und der Mittelstandsfinanzierung.

Der umtriebige, als eiskalt geltende Pecik packt in einem Jahr so viele Projekte an, die andere ein Leben lang auslasten würden. Und findet überhaupt nichts dabei, sich von manchen Engagements bald wieder zu verabschieden.

Liebe zur Fliegerei

Beispiel Sky Europe: Im Februar 2007 teilte er erstmals offiziell mit, dass seine Stiftung an der slowakischen Billigflug-Linie mit 7,82 Prozent beteiligt sei. Prompt machten zahllose Gerüchte die Runde: Er werde mit Niki Lauda, Georg Stumpf und Viktor Vekselberg die Airline komplett übernehmen, hieß es unter anderem. Pecik stockte seinen Anteil zwar kurzfristig auf - doch schon im März verabschiedete er sich von der Airline. Seine Liebe zum Fliegen bleibt ihm jedoch erhalten: Pecik, der schon lange als Laudas Anlageberater fungiert, ist, wie sich das für einen rasant aufgestiegenen Selfmademan einfach so gehört, stolzer Alleingesellschafter eines eleganten Bedarfsflugunternehmens. Die Wiener Amira Air offeriert der betuchten Klientel drei auf je acht Passagiere ausgelegte Challenger 300 sowie eine Global Express für zwölf Passagiere. Eine Challenger 604, die Martin Schlaff gehört, wird mitbetreut. Die Luxusjets sollen ihm allerdings dem Vernehmen nach allerdings ziemlich wenig Freude bereiten, wobei sich das Unternehmen diesbezüglich strikt an die Devise der Airline hält: Luxus und Diskretion.

Der höfliche Bonvivant Pecik muss seine einstige Flugangst allerdings völlig überwunden haben. Sonst hätte er wohl nicht vor wenigen Wochen weitere vier Flugunternehmen - die Caboto, die Columbus, die Diaz und die Vespucci Aircraft - ins Firmenbuch eintragen lassen.

Zur Person

Ronny Pecik wurde im März 1962 in Varazdin, Kroatien, geboren. Mit vier Jahren wanderte er mit seiner Mutter und dem Stiefvater nach Österreich aus. Mit 14 brach er das Gymnasium ab. Mit 17 zog er von Zuhause aus und hielt sich als Tankwart und Kellner über Wasser. Mit 19 wurde er Vater, machte eine EDV-Ausbildung bei IBM und bekam einen Job bei der Länderbank. Für diese durfte er beim Aufbau der österreichischen Optionsbörse Ötop mitwirken, und 1989 wurde er Optionshändler bei der Bank Austria.

Drei Jahre später wechselte er zur Grazer Wechselseitigen, und 1997 übersiedelte er zur Raiffeisen-Bezirksbank Wolfsberg (RBB), deren Wiener Filialleiter er 2000 wurde. Die Bank geriet infolge von Spekulationsverlusten im Derivatehandel in Turbulenzen - und Pecik musste gehen. Die Ermittlungen der Justiz gegen ihn überstand er heil.

Er kaufte sich mit früheren Kollegen in die M & A Bank ein und begann wenig später selbst zu investieren, etwa in Böhler-Udeholm. Dann tat er sich mit dem Industriellen Mirko Kovats zusammen: 2005 kam es zum Einstieg in den Schweizer Technologiekonzern Oerlikon. Nach der Trennung von Kovats setzte Pecik mit Partner Georg Stumpf seinen Feldzug in der Schweiz fort - was im Mai 2007 zu einer Gesetzesänderung im Schweizer Parlament führte, das die Meldevorschriften für Übernahmen drastisch verschärfte. Daraufhin zog sich das Duo von Ascom und Sulzer zurück. Jetzt hat es den Anschein, dass es bei Oerlikon gegen Vekselberg den Kürzeren ziehen wird.