Scheitern am Hundekot

Von den 30.000 Plastikschildern sind Schätzungen zufolge bereits Anfang der Woche nur noch knapp die Hälfte dort, wo sie sein sollen. Franz Karl (ÖVP), den ehemaligen Vorsitzenden der Hundekommission, die 1991 von Helmut Zilk ins Leben gerufen wurde, überrascht das gar nicht: "Diese Stecker sind überhaupt lustig. In 14 Tagen sind von den 30.000 wahrscheinlich noch 30 übrig. Die werden das beliebteste Souvenir für die Wiener." Karl gibt unumwunden zu, seinerzeit am Hundekotproblem gescheitert zu sein. Er erinnert sich noch genau an den Auslöser für seinen Abgang. Der damalige Bezirksvorsteher der Inneren Stadt, Richard Schmitz, machte 1994 den Vorschlag, ein Piktogramm auf den Rudolfsplatz zu malen. Die Zeichnung sollte dazu auffordern, die Hunde ihr Geschäft wenigstens im Rinnsal verrichten zu lassen und nicht mitten auf dem Gehsteig. Als Karl den Vorschlag einbrachte, meinte ein Beamter: "Das wird leider nicht gehen. Da gibt es eine Bodenmarkierungsverordung, die sieht so etwas nicht vor." Da warf Herr Karl das Hangerl. Er ist überzeugt davon, dass nur Strafen das Problem verbessern würden: "Ich schwöre ihnen, wenn bekannt würde, dass in einer Woche mehrere Hundebesitzer gestraft wurden - das Problem würde sich gleich um Klassen bessern". Wesentlich optimistischer bewertet die Situation naturgemäß die Stadt Wien selbst. Aus dem Büro der Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ) heißt es: "Die Lage ist eindeutig besser geworden. Seit Ende Oktober gibt es bereits 1450 Sets, wo Sackerl bereitgestellt werden das ist Rekord. Auch die MA 48 bestätigt, dass es viel mehr Sackerl eindeutigen Inhaltes gibt, die Leute nehmen das schon an."

Die beliebten Plastikstecker werden allerdings heuer nicht mehr nachgerüstet. Wie verfahren werden soll, wenn die meisten in Privatbesitz übergegangen sind, ist unklar: "Für nächstes Jahr werden wir uns etwas überlegen müssen", meint das Stadtratbüro.

Stadt der Halblösungen

Die Stadtpsychologin Cornelia Ehmayer glaubt zwar auch, erste Erfolge erkennen zu können, ist aber insgesamt skeptisch. Sie hat bereits vor Jahren versucht, auf das Problem aufmerksam zu machen, indem sie Hundstrümmerl mit bunten Fahnen gekennzeichnet hat. "Das Problem ist das tradierte Verhalten. Für Hundebesitzer war es jahrelang in Ordnung, wenn die Hunde irgendwo hinmachen, und jetzt dürfen sie das nicht mehr. Da das Bewusstsein zu verändern ist schwierig." Auch das Argument der Hundesteuer kennt sie zur Genüge, "die Hundesteuer ist halt keine Reinigungssteuer", weiß Ehmayer. In Wien scheint das Problem besonders virulent zu sein. Sie sieht die Verantwortung bei der Politik: "Solche Maßnahmen brauchen auch Kontrolle, man könnte strafen, nur tut es keiner. Das Liegenlassen von Hundekot wird noch immer als Kavaliersdelikt gesehen. Aber Wien war ja immer brillant bei Halblösungen."