Wien. (sir) Nun beginnt wieder alles von vorn. Ein neuer Trainer kommt, also auch eine neue Philosophie. Wer immer auch der Nachfolger des gescheiterten Didi Constantini werden wird: Viel Zeit wird er nicht bekommen, ein schlagkräftiges Team zusammenzustellen, ehe es mit der nächsten Qualifikation - für die WM 2014 - wieder losgeht.

Österreich kennt das mittlerweile nur zu gut. Kaum endet eine Qualifikations-Periode, erhält das Nationalteam einen neuen Chef. Nur Hans Krankl durfte zwei komplette Zyklen bleiben.

Der neue Teamchef, der bis November präsentiert werden soll, wird schon der sechste Trainer seit Anfang 2004 sein, die Interimslösung mit Willi Ruttensteiner (2005) miteingerechnet.

Es gibt nicht viele Nationen in Europa, die ihre Teamchefs öfter wechseln als Österreich. Da der Erfolg in dieser Zeit ausblieb, sind die Wechsel zwar durchaus nachvollziehbar, allerdings sind vielleicht auch die Ansprüche hierzulande zu hoch angesetzt. Dazu kommt, dass der ÖFB mit dem EM-Teamchef Josef Hickersberger den Vertrag verlängern wollte, dieser aber von sich aus ablehnte. Karel Brückner war zudem gesundheitlich angeschlagen, als der Vertrag mit ihm aufgelöst wurde.

Der wilde Osten

Dennoch stellt sich die Frage, ob nicht nur der Misserfolg die Trainerwechsel zur Folge hatte, sondern ob die vielen Trainerwechsel auch den Misserfolg bedingen.

Ein Blick nach Europa zeigt zwei durchaus interessante Aspekte. Erstens werden in Osteuropa die Trainer öfter entlassen als im Westen, und zweitens lässt sich durchaus eine Korrelation zwischen der Anzahl der Trainer und den Erfolgen der Nationalteams feststellen, auch wenn es immer Ausnahmen gibt, wie etwa das derzeit überraschend starke Armenien, das seit 2004 den Spitzenwert von sieben Trainern aufweist.

Doch es kann wohl kein Zufall sein, dass sich bei der jüngsten WM in Südafrika ausgerechnet jene beiden kleinen Nationen aus Osteuropa qualifizierten - Slowenien und Slowakei -, die die wenigsten Trainerwechsel hatten.

Bulgarien, Rumänien, aber zuletzt auch Tschechien sowie in Westeuropa Belgien und Schottland haben sich in den vergangenen Jahren in der Weltrangliste immer weiter zurückgearbeitet, während sich etwa Norwegen mit maximaler Kontinuität und trotz dreier sehr knapp verpasster Qualifikationen bis auf Rang zwölf der Rangliste vorgeschoben hat. Seit 1990 gab es in Norwegen nur drei verschiedene Teamchefs.

Wie eng Kontinuität und Erfolg zusammenhängen, hat auch das Professional Football Players Observatory herausgefunden, ein Institut, das den Fußball statistisch aufarbeitet. Zwar untersuchen die Forscher nur Klubs, doch bei diesen zeigte sich, dass in allen europäischen Ligen (mit einer Ausnahme) die durchschnittliche Verbleibdauer der Spieler bei den vier bestplatzierten Vereinen größer ist als beim Rest.

Nationalteams sind anders zu behandeln. Dort haben die Teamchefs weit weniger Zeit fürs Training, dafür können sie schneller Spieler auswechseln. Die Ergebnisse des Players Observatorys zeigen aber, dass ständige Umstrukturierungen einen negativen Einfluss auf die Stabilität einer Mannschaft haben. Und damit auch Trainerwechsel, die stets bedingen, dass ein Team neu aufgestellt wird.

Unabhängig von der Person sollte der ÖFB nun danach trachten, eine langfristige Lösung bei der Suche nach einem neuen Teamchef anzustreben. Kommt ein teurer Startrainer nur für zwei Jahre, beginnt danach wieder alles von vorn.