"Ich bewundere die Frau, die 80 Millionen Deutsche so durch die Krise geführt hat", sagt er, "ich fühle Freundschaft für sie." Die Zusammenarbeit sei ihnen nicht in die Wiege gelegt worden, "aber wir haben es aus historischer Verantwortung und auch aus persönlicher Zuneigung getan", sagt sie.

Was die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy in einem gemeinsamen Fernsehinterview darboten, war Harmonie in höchster Vollendung. Und es war natürlich Wahlkampfunterstützung der Deutschen für den Franzosen, der in allen Umfragen deutlich hinter seinem sozialdemokratischen Konkurrenten Francois Hollande zurückliegt.

Sarkozy, der im Inneren mit der Herabstufung Frankreichs durch eine Ratingagentur jüngst einen neuerlichen Rückschlag erlitten hat, sucht sein Heil seit einiger Zeit in der Außenpolitik. Im vergangenen Jahr spielte er Vorreiter im Kampf gegen den libyschen Diktator Muammar Gaddafi, jetzt schlägt er scharfe Töne gegen Syriens Bashar al-Assad an. Und er hofft, dass das gemeinsame Handeln mit Merkel in der Euro-Krise, das dem Duo längst den Spitznamen "Merkozy" eingebracht hat, sich positiv auf sein Streben auswirkt, im Frühjahr wiedergewählt zu werden.

Ob das bei den Franzosen wirklich gut ankommt, ist fraglich. Zwar bewundern sie so wie ihr Präsident die Wirtschaftskraft der Deutschen, deren Vormachtstellung in Europa rührt aber auch am Selbstverständnis der "Grande Nation". Im Interview bekam man die Versicherung zu hören, dass nationale Eitelkeiten zugunsten des höheren Ziels der Rettung Europas zurückstehen müssten, welches nur die beiden Staatenlenker erreichen könnten. Und dabei seien beide gleichgestellt, versuchte Sarkozy zu vermitteln.

Auch für Merkel selbst ist das Geturtel mit Sarkozy riskant. Der Grüne Jürgen Trittin warnte, sie gefährde die deutsch-französischen Beziehungen, wenn sie gleichzeitig ein Treffen mit Hollande verweigere. Und sogar der Koalitionspartner FDP signalisierte vorsichtige Distanz und betonte, es handle sich nur um Unterstützung zwischen befreundeten konservativen Parteien.

Offen bekundete die FDP allerdings, dass auch ihr ein Verbleib Sarkozys an der Macht lieber wäre. Denn Hollande ist ein Gegner des Fiskalpaktes, den Merkel und Sarkozy zur Stabilisierung des Euro zustandegebracht haben, und setzt statt auf einseitiges Sparen auf Stützung der Konjunktur. Merkel handelt in diesem Sinn nicht nur als Gesinnungsfreundin des französischen Präsidenten, sondern auch aus Eigennutz. Käme Hollande in Frankreich an die Macht, wäre das Durchsetzen ihrer Positionen in der EU um einiges schwieriger.