Sie mögen noch so gute Argumente haben und die fachlich besser geeigneten Kandidaten stellen: Die Schwellenländer werden bei der Besetzung des Chefsessels der Weltbank durch die Finger
schauen. Der Nachfolger von Robert Zoellick kommt so gut wie sicher wieder aus den USA. Warum? Weil Präsident Barack Obama im Wahlkampf keine amerikanisch dominierte Wirtschaftsinstitution aus der Hand geben wird. Undenkbar, dass er etwa einem chinesischen Weltbank-Präsidenten zustimmen könnte: Das würde ihm in den USA als Hochverrat angekreidet. (Dass Chefökonom Lin Yifu, ein Chinese, global hohes Ansehen genießt, ändert daran nichts.)

Zudem war schon mit der Bestellung der Französin Christine Lagarde als Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) klar, dass am fast 70 Jahre währenden Machtgefüge der Finanzwelt nicht gerüttelt wird. So lautet die Nachkriegsordnung seit Bretton Woods: Die Europäer stellen den Chef der Finanzfeuerwehr IWF, die Länder mit Krediten aus Zahlungskrisen retten soll. Dafür haben die US-Amerikaner den Topjob in der Weltbank gepachtet, die Entwicklungsländer aufpäppeln soll. Beides hehre Ziele, beides politisch umstritten. Den Institutionen wird vorgeworfen, eine anglosächsische kapitalistische Ideologie zu verfolgen, welche Machtverhältnisse verfestigt statt sie aufzuweichen.

Wer das Geld hat, schafft an? An diesem Prinzip wird allmählich gerüttelt. Für die transatlantischen Führungsblöcke beider Organisationen wird es schwieriger, die Macht unter 187 Mitgliedern zu behaupten. Mit jeder Reform verschiebt sich das Stimmgewicht (langsam, aber sicher) zu den aufstrebenden Schwellenländern. Das ist ökonomisch wie politisch sinnvoll: Die boomenden Weltregionen sollen mehr in den Topf einzahlen und größere Verantwortung übernehmen.

Die spannende Frage ist, ob sich die großen Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien, China anders als beim IWF auf einen starken Kandidaten einigen. Das wird heute, am 23. März, feststehen, da die Nominierungsfrist endet. Ein starker Gegenkandidat wäre eine unüberhörbare Mahnung, dass Europa und die USA ihre Dominanz nicht auf Dauer halten können.

Noch dazu, wo sich in den USA ein schillernder Anwärter selbst ins Spiel gebracht hat: Jeffrey Sachs gilt als "Mr. Entwicklungshilfe", dessen Expertise außer Frage steht. Der streitbare Ökonom hat medienwirksam angekündigt, er würde die Weltbank nicht mehr als Finanzinstitut, sondern als Denkfabrik gegen Armut, Hunger, Krankheit und Umweltzerstörung führen. Obama wird wohl dennoch einen oder eine aus der Riege der Ex-Banker, Ex-Politiker oder Politberater nominieren. Wer immer es wird: Sie oder er kann nur alt aussehen.