Hinter Mitterlehner versammelten die Strategen der Volkspartei das jüngere Publikum. - © photonews.at/Georges Schneider
Hinter Mitterlehner versammelten die Strategen der Volkspartei das jüngere Publikum. - © photonews.at/Georges Schneider

Wien. Der Mut hat dieser Tage Hochkonjunktur. Alexander Van der Bellen wirbt mit einer Strophe aus der Bundeshymne dafür, mit ihm gemeinsam "mutig in die neuen Zeiten" zu schreiten. Und nun hat auch die Volkspartei den Mut als erstrebenswerte Eigenschaft für sich erkannt.

Diesen neuen Mut in Zeiten der allgemeinen Verunsicherung wollte Parteichef und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner in seiner aufwendig inszenierten Grundsatzrede zur Lage Österreichs am Freitag in der Aula der Wissenschaften unterstreichen. Die Ausgangssituation dafür war freilich denkbar schlecht: Schon die Zusammensetzung des Publikums in dem -wenn auch vollbesetzten - Saal ließ starke Zweifel an der Dynamik aufkommen, die man sich selbst verordnet hatte. Ein Raum voller großteils älterer Herren, nur hie und da blitzte ein weibliches oder gar - noch seltener - jugendliches Gesicht auf. Fast schien es so, als hätte man aus medienstrategischen Gründen sämtliche jungen ÖVP-Anhänger hinter dem Podium positioniert. Strategisch bezeichnend auch die Auswahl des Ehrengasts: Der Botschafter von Kanada, Mark Bailey, sollte die Zustimmung der Schwarzen zu Ceta unterstreichen.

Angekündigt wurde Mitterlehners Rede von Generalsekretär Werner Amon, der sich einen Seitenhieb auf den Koalitionspartner nicht verkneifen konnte: Er kritisierte die Weigerung von Sozialminister Alois Stöger, die Mindestsicherung zu kürzen. Gleichzeitig ließ er in Richtung der Medien anklingen, dass er sich positive Berichterstattung über das Event wünsche.

Nun, diesen Gefallen kann man dem Neo-Generalsekretär kaum tun. Denn Mitterlehners Rede war wenig dynamisch. Selbst die Musik zu Beginn und am Ende, die an den Titelsong aus "Fluch der Karibik" gemahnte und offensichtlich das neue Tempo der Volkspartei unterstreichen sollte, konnte daran kaum etwas ändern. In der knapp einstündigen Rede riss der ÖVP-Chef zahlreiche Themen an. Er blieb die meiste Zeit auf der Sachebene - allerdings mit wenig Esprit, was im Publikum für entsprechend wenig Resonanz sorgte.

Gleich zu Beginn betonte Mitterlehner, dass er sich (ganz im Gegensatz zum jüngsten Match mit Bundeskanzler Christian Kern im Parlament, Anm.) nicht dem Regierungsstreit widmen werde: "Sie werden sicher nicht Simmering gegen Kapfenberg von mir erleben." Den Slogan "Nur Mut bringt uns weiter" erklärte Mitterlehner damit, dass viele Bürger "schlicht und einfach Zukunftsängste" hätten. Die ÖVP aber sei schon immer eine Partei der Mutigen gewesen: "Uns kennzeichnet Mut in alle Lebenslagen", meinte er und verwies auf die berühmte Weihnachtsrede Leopold Figls 1945. Generell suchte sich der ÖVP-Chef Anleihen aus Literatur und Politik: Von Churchill über Kreisky und Merkel bis hin zu Christoph Leitl kamen in der Rede zahlreiche Zitate unter.