Eine Herzspezialistin bricht während eines Kongresses von Herzspezialisten zusammen und stirbt trotz aller nur erdenklicher Maßnahmen Stunden später - "offenbar auf Grund einer angeborenen Fehlbildung des Herzens", so Reinhard Krepler, Leiter des Wiener AKH. Dennoch schwebt das Wort "Herzinfarkt" weiter düster im Raum. Verständlich, gilt er doch als die spektakulärste, potenziell tödlichste Gefahr in Sachen Herzkrankheiten.

12.000 Menschen erleiden landesweit pro Jahr einen Infarkt und ebensoviele ein akutes Koronarsyndrom (instabile Angina pectoris), das als Vorstufe dazu gilt. Eine Gefahr, die leicht blind macht für den wahrscheinlich größeren Killer unter den Herzleiden, nämlich die chronische Insuffizienz, von der in Österreich laut aktuellen Daten rund 200.000 Menschen betroffen sind und an die 16.000 jährlich sterben. Herzinsuffizienz bedeutet, dass das Herz nicht mehr imstande ist, Gewebe mit ausreichend Blut und somit Sauerstoff zu versorgen.

Dafür gibt es zahlreiche Ursachen, die sich dann im Durchschnitt bei den Männern mit 67 und bei den Frauen mit 73 Jahren zu Buche schlagen: Bewegungsarmut, Bluthochdruck, Diabetes, Adipositas, Atherosklorose, Gefäßerkrankungen und COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankungen, meistens durch Rauchen) sind die wichtigsten von ihnen. Und wären, wie die Liste zeigt, oft schon mit einfachsten Mitteln sowie den vorhandenen Medikamenten zu bekämpfen.

Doch weil die Insuffizienz fast immer schleichend auftritt und die Behandlungsmöglichkeiten - auch jene der Ursachen- und Ko-Faktoren - so relativ unspektakulär sind, erhält sie nicht annähernd die gleiche Aufmerksamkeit wie etwa eben der Infarkt.

 Lebensstil im Zentrum

Gewiss, auch Viruserkrankungen, Parodontitis und genetische Faktoren beeinflussen u. a. die Herzgesundheit, die Fachleute gehen aber heute davon aus, dass 75 Prozent aller Fälle von koronarer Herzkrankheit bis zum Infarkt, Insuffizienz und chronischer Verengung der Herzkranzgefäße auf den Lebensstil und die Lebensumstände (etwa Dauerstress oder Depressionen) zurückzuführen sind.

Allerdings, nur mit den üblichen Gesundheitstipps (Sport, Fettverzicht, Rauchstopp etc.) wird auch künftig nicht viel zu gewinnen sein. Überlegenswert wäre daher die Einführung eines Risikoscores, wie ihn schottische Fachleute von der Universität Dundee nun in Wien vorgestellt haben.

Sie ermittelten dafür neben den klassischen Risikofaktoren anhand eines auf Wohngebieten beruhenden Index auch den Sozialstatus von Familien. Fazit: Wer unter sozial benachteiligten Bedingungen lebt, dessen Herz-Kreislaufrisiko erhöht sich gegenüber der Durchschnittsbevölkerung in gleichem Ausmaß wie das eines Diabetikers. In Schottland wird dieser Faktor bei der Präventivtherapie bereits berücksichtigt.