Ausgerechnet der Westen tut sich hart mit der Forderung des ägyptischen Volkes nach Freiheit.

Die EU brabbelte Sinnloses wie "sich rasch verändernden Situationen und dass Ägypten nicht Tunesien" sei. Der amerikanische Präsident sprach von "legitimer angestauter Frustration". Immerhin stützen die USA Mubarak mit drei Milliarden Dollar jährlich - der Preis dafür, dass Ägypten Israel als Staat anerkennt und die Situation im Nahen Osten einigermaßen stabil bleibt.

Europa und die USA würde es aber gut anstehen, jetzt klar Stellung zu beziehen. Wie an dieser Stelle bereits beschrieben, schreien hier arabische Völker nach Freiheit und einem würdigen Leben - wie die Länder Osteuropas 1989.

Und die Proteste verständlich: Auf der einen Seite hartgesottene Regime, die den Wohlstand unter wenigen Günstlingen aufteilen; auf der anderen Seite ein religiöser Fundamentalismus, "Iran-Style". Beides ist das Gegenteil von Freiheit, beides nimmt der Jugend jede Perspektive. Die in Tunesien gestarteten Revolutionen sind das Gegenteil von Islamismus. Wenn der Westen jetzt falsch reagiert, könnte es aber ein böses Erwachen geben.

Wie in Osteuropa 1989 sind die Proteste der Ausfluss jahrzehntelanger Unterdrückung, und wie damals sollte es für Europa und Amerika klar sein, auf welcher Seite sie stehen. Die Bürger der arabischen Länder haben ein Recht, unterstützt zu werden. Europa und Amerika spielen gerne moralische Polizei, wenn es darum geht, Menschenrechte zu erklären. Nun steht die "Wertegemeinschaft" vor einer Nagelprobe. Angesichts der komplexen politischen Lage im Nahen Osten keine einfache Probe, zugegeben. Aber was ist schon einfach?

Wenn den Bürgern in diesen Ländern klar wird, dass die demokratischen Mächte der Welt auf ihrer Seite stehen, dann könnte der Funke der Freiheit weiterspringen. So wie die Sowjetunion implodiert ist, so könnte es auch anderen Regimen der Region gehen. In Teheran wird die ägyptische Entwicklung vermutlich mit Sorge betrachtet. Gut so.