Was für eine Art von demokratischer Revolution ist das in Ägypten, bei der 19 US-Mitarbeiter von NGOs, die sich für die Demokratie eingesetzt haben, angeklagt werden? Die Antwort: eine konfuse Revolution. Die USA sollten ihren Ärger aber vorerst runterschlucken und ein übereiltes Einstellen der Hilfe, das eine schlimme Situation noch verschlimmern würde, vermeiden.

Die ägyptische Revolution ringt darum, mitten im Chaos eine Regierung zu bilden. Die spontane Erhebung, die Machthaber Hosni Mubarak stürzte, hat - wie vorherzusehen war - den Weg geebnet für ein aufrührerisches Wirrwarr, in dem anarchistische Banden die Straßen durchstreifen und gemäßigte Stimmen entmutigt werden.

Wer Crane Brintons "The Anatomy of Revolution" gelesen hat, weiß, was als Nächstes kommen könnte: noch mehr Chaos und Erschütterungen der Wirtschaft, ein anschwellender Chor von Schuldzuweisungen gegen ausländische Drahtzieher - gefolgt von einem starken Führer, der Sicherheit und das Wiederherstellen der Ordnung verspricht.

Aber es gibt noch eine andere Möglichkeit: Die jungen Aktivisten könnten auch weiter in Richtung Freiheit drängen, in Richtung Würde und sozialer Gerechtigkeit, wofür sie vor einem Jahr ihr Leben riskiert haben.

Und nun vom Chaos in Kairo weg und zu ein paar einfachen Beobachtungen:

Erstens haben die NGO-Aktivisten nichts Verwerfliches getan. Ich habe die Berichte der Aktivisten vom National Democratic Institute gelesen, sie setzen sich für das neue Ägypten ein. Sie wollen mithelfen, Ägyptern die Kenntnisse zu verschaffen, die sie für eine funktionierende Demokratie brauchen. Das gilt auch für die anderen drei US-Gruppen, das International Republican Institute, das Freedom House und das International Center for Journalists. Sollten sie es in dieser nach Büroarbeit verrückten Gesellschaft verabsäumt haben, alle nötigen Genehmigungen aufzubewahren, müssen sie sich darum kümmern. Wenn es aber heute in Ägypten ein Verbrechen ist, die Demokratie zu unterstützen, so ist das traurig.

Zweitens ist es trotz der gut gemeinten Mission der NGOs verständlich, dass einige Ägypter nervös sind. Ägypten ist ein Land, das versucht, von generationenlanger Abhängigkeit und Manipulation durch ausländische Mächte loszukommen. Wenn die Ägypter eine Paranoia entwickelt haben, was "ausländische Hände" betrifft, die sich in ihre Angelegenheiten einmischen, dann zu Recht.

Drittens setze ich noch immer auf die jungen Menschen in Ägypten. Ihre Netzwerke sind zersplittert, und sie sind nicht einer Meinung. Aber sie sind in der Lage, ein neues Ägypten aufzubauen, in dem die Regierung und die Armee der Bevölkerung gegenüber Rechenschaft ablegen.

Die Türkei wird oft als Vorbild für Ägypten zitiert. Wenn ich mir aber vorstelle, dass die neue ägyptische Regierung die Unabhängigkeit der Medien, der Gerichte und des Militärs einschränkt, wie das die türkische Regierung getan hat, werde ich nervös.

Übersetzung: Redaktion