Deshalb und weil zusammen mit den korrupten Journalisten auch "kleine Fische" aufgelistet werden, die für das Presseamt übersetzt haben, heimst Marzouki für seine Aktion nicht nur Lob ein. Eine heiße Debatte ist in Tunesien darüber entbrannt, ob der Übergangspräsident überhaupt das Recht hatte, staatliche Dokumenten nach Gutdünken zu veröffentlichen, anstatt abzuwarten, bis das System der Übergangsjustiz funktioniert.

Rache?

Von den Journalisten, die in dem "Schwarzbuch" aufgeführt sind, haben bisher nur sehr wenige zu den Vorwürfen Stellung genommen. Und wer über die Medien seine Sicht der Dinge zu Protokoll geben wollte, äußerte sich in der Regel nicht zu geflossenen Geldbeträgen.

Zu ihnen gehört der tunesische Journalist Mohamed Bousnina, der sich 2004 über die Pressezensur durch die Behörden beklagt hatte. Er wirft Marzouki jetzt vor, dieser wolle sich mit seinem Buch an Journalisten rächen, die kritisch über seine Amtsführung berichten. "Warum hat er zum Beispiel nicht das Archiv über die Opposition geöffnet?", fragt Bousnina in einem Beitrag für die Website "Tunivision.net".

Der Journalist Kamal bin Younis setzt sich laut einem Bericht von "Al-Ikhbaria" mit dem Argument zur Wehr: "Wenn die Berichte und Dokumente im Palast von Karthago wirklich so präzise gewesen wären, dann wäre Ben Ali nicht gestürzt."

Auch in Ägypten, das sich selbst gerne als Mutterland des arabischen Journalismus sieht, hat das "Schwarzbuch" hohe Wellen geschlagen. Schließlich sind in dem Buch mehrere private und staatliche ägyptische Medien genannt, die von Ben Alis Presseamt finanzielle Zuwendungen erhalten haben sollen. Bisher werden die Vorwürfe allerdings nur auf den "Facebook"-Seiten der ägyptischen Journalisten diskutiert. Die Journalisten-Gewerkschaft beschäftigt sich noch nicht damit.