Mittlerweile hat der Mensch diesbezüglich sein Zepter verloren, längst bestimmen Strukturen und Prozesse jene Entwicklungen, die sich in den Geschichtsbüchern niederschlagen.

Das Individuum wurde zum Bestandteil anonymer Massen. Bemerkenswert ist, dass die Entsorgung des Einzelnen aus jenen Mechanismen, die die Welt verändern, gleichzeitig stattfand mit dem Hohelied auf den Individualismus, wie er in postmodernen Demokratien zum Standard in allen Lebensbereichen geworden ist.

Der Tunesier Mohammed Bouazizi hat sich von diesen Theorien nicht abhalten lassen, der Geschichte seines Landes eine andere Wendung zu geben. Der junge Akademiker musste sich, weil er keinen adäquaten Job fand, als Gemüsehändler durchschlagen. Als ihm das autoritäre Regime auch noch seinen Stand wegnehmen wollte, sah er vor lauter Verzweiflung keinen anderen Ausweg, als sich am 17. Dezember selbst zu verbrennen.

Bouazizi überlebte nicht. Der Diktator und sein - auch von Europa protegiertes - Regime sind seitdem ebenfalls Geschichte. Freie Wahlen sind für die nächsten Monate versprochen.

Was wäre gewesen, hätte sich der verzweifelte Mann nicht selbst angezündet? Immerhin galt Tunesien laut Experten als recht stabil. Wahrscheinlich hätte irgendwann ein neuer starker General den Diktator abgelöst und so weitergemacht wie der alte, diese Möglichkeit ist auch jetzt noch nicht ausgeschlossen. Aber die Chance, dass Tunesien tatsächlich zu einer Demokratie wird, lebt.

Das Beispiel Bouazizis hat in den letzten Tagen zu mehreren Selbstverbrennungen in autoritären arabischen Ländern geführt. In all diesen Fällen ist der Funke jedoch nicht übergesprungen - noch nicht. Fürs Erste haben die Strukturen der Mächtigen dem Angriff standgehalten.

In und um Österreich verweigern immer mehr Bürger die Teilnahme am demokratischen Prozess, weil ihr Beitrag angeblich ohnehin nichts zähle. Das ist ein Irrtum. Leider ein weit verbreiteter.