Der iranische Außenminister Mohammed Jawad Sarif vertrat nach Angaben des Senders Press TV in einem Telefongespräch mit seiner italienischen Amtskollegin Emma Bonino ebenfalls die Meinung, Rebellen hätten in Syrien Giftgas eingesetzt. Der iranische Vize-Generalstabschef Massoud Jasayeri warnte die USA vor einer Militärintervention. "Wenn die Vereinigten Staaten diese rote Linie überschreiten, wird das ernste Konsequenzen für das Weiße Haus haben", sagte Jasayeri.

Die islamistische Rebellengruppe Al-Nusra-Front drohte im Internet, sich an der alawitischen Minderheitin Syrien für die mutmaßlichen Angriffe mit Chemiewaffen zu rächen. Am Samstag traf die UN-Abrüstungsbeauftragte Angela Kane in Damaskus ein, um auf einen freien Zugang der UN-Experten zu dringen. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisierte im Magazin "Focus" Russland und China dafür, im UN-Sicherheitsrat eine Resolution zu Syrien verhindert zu haben.

Israels Staatspräsident Shimon Peres forderte die internationale Staatengemeinschaft auf, "sämtliche Chemiewaffen in Syrien zu beseitigen". Ob dies durch eine militärische Intervention geschehen solle, ließ Peres offen. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu bezeichnete den mutmaßlichen Giftgasangriff bei Damaskus als "furchtbare Tragödie und Verbrechen". "Die gefährlichsten Regimes der Welt dürfen nicht die gefährlichsten Waffen der Welt haben", sagte der israelische Regierungschef.

Die israelische Justizministerin Tzipi Livni betonte angesichts eines möglichen US-Militärschlags in Syrien, Israel verfolge weiterhin eine Politik der Nichteinmischung. US-Präsident Obama müsse in der Frage einer militärischen Intervention in Syrien eine "sehr dramatische Entscheidung" treffen.

Papst Franziskus rief unterdessen am Sonntag die internationale Gemeinschaft erneut auf, nachdrücklicher nach einer friedlichen Lösung für den syrischen Bürgerkrieg zu suchen.

"Libyen-Szenario" oder "Kosovo-Plan"
Ob "Libyen-Szenario" oder "Kosovo-Plan": Der syrischen Exil-Opposition ist alles recht, was in ein militärisches Eingreifen des Westens mündet. Die Dissidenten glauben, nach der mutmaßlichen Giftgas-Attacke im Umland von Damaskus sei die Zeit jetzt reif, um die zögernden Diplomaten in Washington und Brüssel für die Einrichtung einer Flugverbotszone in Syrien zu gewinnen.

In Libyen hatte der Einsatz westlicher Kampfflugzeuge den Sturz des Machthabers Muammar Al-Gaddafi ermöglicht. Im Kosovokrieg hatte die NATO Ziele in Serbien bombardiert; das Kosovo wurde Protektorat der Vereinten Nationen und am Ende unabhängig von Serbien.

"Es sieht gut aus", freut sich ein führendes Mitglied der Nationalen Syrischen Allianz, nachdem der Vorsitzende des Oppositionsbündnisses, Ahmed al-Jarba, die Außenminister von Katar und der Türkei getroffen hat. Allerdings fordern diese beiden islamischen Staaten ohnehin schon seit langer Zeit eine härtere Linie gegen Präsident Bashar al-Assad und unterstützen aktiv die Rebellen. Viele westliche Regierungen stehen einer Intervention ohne Mandat des von Russland und China blockierten UN-Sicherheitsrates dagegen sehr skeptisch gegenüber - auch Deutschland.