Zwar sieht es inzwischen immer mehr so aus, als sei im Bezirk Al-Ghuta Al-Sharkiya am vergangenen Mittwoch tatsächlich ein chemischer Kampfstoff eingesetzt worden. Jedoch bisher fehlt - zumindest nach öffentlicher Darstellung - der Beweis dafür, dass es tatsächlich das Assad-Regime war, das die Menschen in den Dörfern mit Nervengas getötet hat.

Denn nicht nur das Regime behauptet jetzt, es seien die Rebellen gewesen, die - vielleicht um eine Militärintervention zu provozieren - chemische Kampfstoffe verwendet hätten. Auch einige westliche Kommentatoren und Diplomaten haben Zweifel. Ihr wichtigstes Argument lautet: "Es wäre doch völliger Wahnsinn, wenn Assad ausgerechnet jetzt, wo die UN-Chemiewaffeninspekteure im Land sind, Dörfer mit Giftgas-Raketen beschießen würde."

Der syrische Filmemacher und Aktivist Orwa Nyrabia hält es für völlig ausgeschlossen, dass eine Rebellenbrigade hinter den Attacken steckt, die Hunderte Zivilisten in ihren Betten getötet haben. Er sagt: "In den Provinzen Aleppo, Deir as-Saur und Idlib gibt es inzwischen einige sehr unangenehme radikale Gruppen, denen auch ausländische Kämpfer angehören. Doch in Al-Ghuta al-Sharkiya spielen sie keine Rolle. Dort ist die Liwa-al-Islam-Brigade stark. Die ist mir als säkularem Oppositionellen zwar auch nicht sympathisch, aber sie besteht zumindest aus lokalen Kämpfern. Die würden so etwas nie tun in ihren eigenen Heimatdörfern."

Nyrabia war 2012 wegen seiner regimekritischen Haltung festgenommen worden. Nach einer internationalen Kampagne, an der sich auch Robert De Niro und Martin Scorsese beteiligten, kam er frei. Heute steuert er von Kairo aus zivile Projekte der Lokalen Koordinationskomitees der Revolutionäre. "Seit Tagen sind wir nur damit beschäftigt, Atropin (ein Mittel, das gegen Nervengas eingesetzt wird) zu kaufen und nach Syrien zu bringen", berichtet er.

Als Gegner des Assad-Regimes hätten ihn die Aufnahmen des syrischen Staatsfernsehens empört, die belegen sollten, dass die Rebellen angeblich Giftgas verwendet haben. Aus seiner Sicht als Regisseur sei diese vermeintliche Reportage "eine Farce und zudem auch noch unheimlich schlecht gemacht".

Hollande: Viele Hinweise auf Chemiewaffen-Einsatz der syrischen Armee
Frankreichs Staatschef Francois Hollande sieht zahlreiche Hinweise auf den Einsatz von Chemiewaffen durch die syrische Armee. In einem Gespräch mit dem australischen Premierminister Kevin Rudd habe Hollande die Einschätzung abgegeben, "dass es mittlerweile ein Bündel an Hinweisen darauf gibt, dass der Angriff vom 21. August chemischer Art war, und alles darauf hinführt, dass das syrische Regime als Verantwortlichen dieser unerhörten Tat zu betrachten ist", erklärte der Elysee-Palasts am Sonntag.