Damaskus. Die von der UNO entsandten Waffenexperten wurden auf ihrem Weg zur Untersuchung des Giftgas-Einsatzes am Montag von Heckenschützen beschossen. Das teilte ein Sprecher der Vereinten Nationen mit. Die Experten seien "mehrmals beschossen" worden, sagte er. Dabei sei niemand verletzt, nur ein Fahrzeug beschädigt worden. Das Expertenteam besuchte schließlich mit einem Ersatzwagen die Ortschaft Moadhamijat al-Sham (Mouadamiya). Ergebnisse wurden nach der Rückkehr nach Damaskus zunächst keine verlautbart.

Angriffe im Umland von Damaskus

Die syrische Armee soll Berichten zufolge das Gebiet bombardiert haben, wo sich auch die UNO-Experten befinden. Die Allgemeine Kommission für die Syrische Revolution meldete in der Früh Artillerieangriffe auf Ziele in dem Bezirk Al-Ghuta Al-Sharkiya im Umland von Damaskus. Die Ortschaft Moadhamijat al-Sham sei mit Raketen beschossen worden.

"Zum Scheitern verurteilt"

Machthaber Bashar al-Assad bezeichnete in einem am Montag veröffentlichten Interview alle Vorwürfe als "Nonsens". Er warnte die USA eindringlich vor einem Militärschlag auf sein Land und erklärte, die US-Angriffspläne seien "zum Scheitern verurteilt, so wie alle Kriege, die sie seit Vietnam begonnen haben."

Unterdessen bereitet sich der Westen auf ein militärisches Eingreifen in den Konflikt vor. Der französische Außenminister Laurent Fabius sagte am Montag, die Entscheidung darüber werde in den kommenden Tagen fallen. Sein britischer Kollege William Hague unterstrich, dass ein Militärschlag auch ohne UNO-Mandat möglich sei. Auch die Türkei erklärte sich zur Beteiligung an einer "Koalition" gegen Syrien, die derzeit von mehr als 30 Staaten diskutiert werde, bereit.

Deutschland bereit, Italien warnt
Im Vorfeld haben sich einige deutsche Politiker gegen einen militärischen Eingriff in Syrien ausgesprochen. Nun meldete der deutsche Außenminister Guido Westerwelle Unterstützung an. Sollte sich der Vorwurf eines Einsatzes von Chemiewaffen bestätigen, halte Deutschland "Konsequenzen für richtig", sagte Westerwelle in Berlin bei der Eröffnung einer Botschafterkonferenz. am Montag. Der FDP-Politiker ließ aber ausdrücklich offen, ob damit auch Militärktionen gemeint sein könnten.

Italiens Außenministerin Emma Bonino warnte hingegen vor einem übereilten direkten Eingreifen in den syrischen Bürgerkrieg.

Beweise zerstört?

Hague äußerte zuvor die Befürchtung, dass Beweise bereits zerstört worden sein könnten. Nach Artilleriebeschusses in der Gegend seien Beweise vermutlich nicht mehr zu finden, sagte er am späten Sonntag in London. "Wir müssen realistisch sein angesichts dessen, was das UNO-Team erreichen kann", fügte Hague hinzu. Für eine Verantwortung der Regierung gebe es aber "schon jetzt viele Beweise".

Ban Ki-moon forderte erneut "uneingeschränkten Zugang" für die UNO-Experten. "Die Welt schaut auf Syrien", sagte er und fügte hinzu: "Was nach einem schlimmen Verbrechen gegen die Menschlichkeit aussieht, dürfen wir nicht ungestraft lassen." Ein Erfolg der Expertenmission sei "im Interesse aller". "Jeder Einsatz von Chemiewaffen von wem und unter welchen Umständen auch immer ist eine schwere Verletzung internationalen Rechts", sagte Ban.

Syrische Regierung erlaubt Inspektion

Nach Darstellung der Opposition hatte die syrische Führung durch Giftgas am Mittwoch mehr als 1.300 Menschen getötet. Die Regierung bestreitet jede Verantwortung. Am Sonntag gab sie grünes Licht für die Untersuchung der Vorwürfe durch die UNO.

Nach Einschätzung von Experten des US-Geheimdienstes CIA verfügt die syrische Armee über das größte Chemiewaffenarsenal im Nahen Osten. Indirekt hat das Assad-Regime den Besitz von Giftgas eingeräumt, allerdings ohne Einzelheiten zu nennen.

Aufständische melden Erfolg

Nach Angaben der oppositionsnahen Beobachtungsstelle für Menschenrechte haben am Montag syrischen Rebellen die strategisch wichtige Stadt Chanasir im Norden des Landes eingenommen. Die Aufständischen hätten damit den einzigen Versorgungsweg der Regierungstruppen in die Großstadt Aleppo abgeschnitten, berichtete die in Großbritannien ansässige Organisation am Montag.

Zugleich versuchten die Rebellen nach Angaben von Einwohnern, in der Provinz Homs die Stadt Talkala einzunehmen, die wenige Kilometer von der libanesischen Grenze entfernt liegt. Assads Truppen waren in der Region monatelang in der Offensive.