Punktesystem für Hilfe

Von wo holt er sich dann zuverlässige Informationen? "In erster Linie von Leuten aus der Nachbarschaft. Die wissen, ob jemand verletzt oder krank ist. Wir setzen ein Punktesystem ein. Eine Witwe zum Beispiel erhält drei Punkte, ein Waisenkind zwei Punkte. Einer verletzten Person teilen wir vier Punkte zu."

"Wir liefern Nahrungsmittel entsprechend der Anzahl der Punkte pro Familie. Wenn eine Familie insgesamt zehn Punkte hat, bekommt sie zehn Kilo Reis und fünf Kilo Zucker jeden Monat. Oft passiert es, dass wir vor verschlossenen Türen stehen, weil die betroffenen Familien geflüchtet sind. Andere kommen wieder zurück. Wir aktualisieren unsere Listen laufend", berichtet der Helfer.

In Huraitan ist der Krieg inzwischen zur Normalität geworden. All die Zerstörung scheint den in den Straßen spielenden Kindern nicht aufzufallen. Nicht einmal von den in der Luft fliegenden Raketen der syrischen Armee lassen sie sich aus der Ruhe bringen. Immer wenn eine Rakete die Schallmauer mit einem Knall durchbricht, rufen die Kinder: "Booom!" und schauen dabei nicht einmal hinauf in den Himmel. Aus der Ferne hört man das dumpfe Geräusch von Explosionen. Die vorderste Front ist nicht einmal zehn Minuten Autofahrt weit weg. "Die Kinder haben sich mit der Situation arrangiert und versuchen das Beste daraus zu machen", sagt Ahmad. "Es ist echt traurig, was das Regime diesen Kindern antut. Es zerstört ihre Zukunft. In Europa redet man wegen der Wirtschaftskrise über eine "lost generation". Hier in Syrien gibt es mehr als nur eine verlorene Generation", fügt er hinzu.

Mitarbeit: Gerhard Lechner