Damaskus/Washington. US-Präsident Barack Obama hat kein Geheimnis daraus gemacht, dass er für einen Militäreinsatz eintritt. Um mit seinem  Wunsch auch im Kongress eine Mehrheit zu finden, hat er am Sonntag damit begonnen, bei den Abgeordneten um Billigung einer Militäraktion in Syrien zu werben. Nach Angaben eines ranghohen Vertreters des Weißen Hauses sprachen Obama, sein Vize Joe Biden sowie sein Stabschef Denis McDonough am Sonntag mit Vertretern von Repräsentantenhaus und Senat, um sie für den Plan des Präsidenten zu gewinnen.

Einen Tag nach der Ankündigung Obamas, vor einer Militärintervention den Kongress konsultieren zu wollen, wurden rund 70 Kongressmitglieder zu einem geheimen Briefing im Kapitol geladen worden. Für Montag, einem Feiertag, lud Obama den einflussreichen republikanischen Senator John McCain ins Weiße Haus. Vor seiner Reise nach Stockholm sowie zum G-20-Gipfel in Russland empfängt Obama zudem am Dienstag weitere Mitglieder der mit der nationalen Sicherheit befassten Kongress-Ausschüsse.

McCain abwartend

McCain äußerte sich am Sonntag abwartend. Im Sender CBS forderte er erneut einen umfassenderen Einsatz als von Obama geplant. Auch viele der Teilnehmer des Briefings im Kongressgebäude zeigten sich am Sonntag wenig überzeugt von den Plänen des Präsidenten. Eine Abstimmung zur Billigung des Militärschlages dürfte nicht vor dem 9. September erfolgen.

Arabische Liga ohne gemeinsame Position

Die Arabische Liga konnte sich indes nicht auf eine gemeinsame Position im Syrien-Konflikt einigen. Zwar verabschiedete die Außenminister-Konferenz am Sonntagabend in Kairo eine Erklärung, in der sie den Einsatz von Chemiewaffen im syrischen Bürgerkrieg in scharfen Worten verurteilte. Welche Konsequenzen daraus zu ziehen seien, blieb in der Abschlusserklärung des Treffens jedoch unklar. Die Minister appellierten lediglich an die Vereinten Nationen und die internationale Gemeinschaft, dieses Verbrechen nicht ungesühnt zu lassen, "für das das syrische Regime die Verantwortung trägt". Die Schuldigen sollten sich vor einem internationalen Gericht verantworten müssen. Die Minister entsprachen nicht dem Wunsch des Vorsitzenden des Bündnisses der syrischen Opposition, Ahmed Al-Jarba, die Pläne der USA für eine militärisches Eingreifen zu unterstützen.