Washington/Damaskus. Ob es einen US-Militärschlag gegen Syrien geben wird oder nicht, soll der US-Kongress in den kommenden Tagen entscheiden. US-Präsident Barack Obama wirbt mit seinen Beratern um Unterstützung für seine Angriffspläne, das Ergebnis einer Abstimmung ist aber ungewiss.

Im von den Demokraten dominierten Senat hat Obama gute Karten, im Repräsentantenhaus, wo die Republikaner den Ton angeben, sieht die Sache anders aus. Den "Falken" beispielsweise geht der geplante Angriff nicht weit genug. Sie wollen, dass der Präsident das Assad-Regime nicht nur für den Einsatz von Giftgas bestraft, sondern den Machthaber entscheidend schwächt. Der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain hat trotzdem dazu aufgerufen, Obama zu unterstützen. Ein "Nein" würde die Glaubwürdigkeit der USA weltweit beschädigen, so McCain. Der Republikaner und Präsident des US-Abgeordnetenhauses, John Boehner, ist ebenfalls für den Angriff. Er stellt es aber den republikanischen Abgeordneten aber frei, wie sie stimmen. Sie sollten ihrem Gewissen folgen. Abgeordnete, die der konservativen Tea-Party nahestehen, werden die Pläne Obamas aus Prinzip nicht unterstützen. Liberale Demokraten sind ebenfalls gegen den Angriff. Nachdem die Mehrheit der Amerikaner einen neuen Krieg nicht will, werden einige, um ihre Popularität besorgte Abgeordnete, ebenfalls mit "Nein" stimmen.

"Es gibt eine Menge Skepsis", fasst der Demokrat Jim Moran die momentane Stimmung zusammen. "Wenn die Abstimmung morgen wäre, würde der Präsident nach meiner Einschätzung verlieren, oder die Resolution wäre so abgeschwächt, dass er besser ohne sie dran wäre."

Vergleich mit Münchener Abkommen 1938

Barack Obamas wichtigste Sicherheitsberater versuchten in einer 70-minütigen Telefonkonferenz, Abgeordnete der eigenen Partei zu überzeugen - mit interessanten Argumenten: So meinte Außenminister John Kerry, der Konflikt in Syrien sei an einem Punkt angelangt, der an die gescheiterte Appeasement-Politik Großbritanniens und Frankreichs gegenüber Adolf Hitler erinnere. Es sei ein "Münchener Moment" erreicht, so Kerry und verwies damit auf das Abkommen von 1938, mit dem Großbritannien und Frankreich mit Zugeständnissen an die aggressive Außenpolitik der deutschen Nationalsozialisten einen Krieg verhindern wollten - letztlich vergeblich.