Die Wüste, ein noch wenig durchackertes Gebiet für Sound Art. Mehr dazu siehe die Website von Bill Fontana. - © resoundings.org
Die Wüste, ein noch wenig durchackertes Gebiet für Sound Art. Mehr dazu siehe die Website von Bill Fontana. - © resoundings.org

Linz. Es versteht sich heutzutage nicht von selbst, dass elektro-akustische Klangkunst im Original – also nur mit Rohmaterial und Effekten und ohne die üblichen Klicks, Cuts und sonstigen digitalen Schnick-Schnack-Sounds – an den Hörer/die Hörerin geht. Eine der wenigen Ausnahmen ist der US-Amerikaner Bill Fontana, der zu den bedeutenden Impulsgebern der Soundart schlechthin zählt.

Bereits Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre machte sich Fontana mit seinem Kassettenrekorder auf, Geräusche der Umgebung und der Natur aufzunehmen. Für ihn ist die Welt die natürlichste und reichste musikalische Ressource. Mit der Zeit wurden die Mittel, mit denen er seine akustischen Forschungsausflüge unternahm, immer ausgereifter: sei es durch die Wahl seiner Aufnahmegeräte, sei es, dass Fontana seine Aufnahmen auch an andere Orten übertrug. Bis heute hat er mehr als 50 Klangskulpturen geschaffen, darunter auch zahlreiche Audioinstallationen im öffentlichen Raum, wie Anfang der 1990er in Wien, als er die Sounds (von Fröschen, Vögeln, Insekten, dem Wasser, den Flugzeugen über Glocken bis hin zu Spaziergängern) aus der Stopfenreuther Au auf den Maria-Theresien-Platz in Wien übertragen ließ.


Link-Tipps
Bill Fontana

Sound and Music interview with Bill Fontana about River Sounding
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Bill Fontana Installation im OK

Eine besondere Klangskulpturen ist bis 19. Oktober im OK Offenes Kulturhaus in Linz zu sehen und hören: die live-Installation aus der voestalpine: Dort wurden im Walzwerk vier Spezialmikrofone und eine hochauflösende Kamera angebracht, die während des Betriebs aufgenommenen Bilder und Töne werden dann live in einen Raum des OK übertragen.  Diese "Linear Visions" sind Teil einer Werkschau über den Künstler (die erste im deutschsprachigen Raum), die im Rahmen der Ars Electronica eröffnet wurde, was nicht von ungefähr kommt:  so erhielt Fontana beim Prix Ars Electronica 2009 die Goldene Nica in der Kategorie Digital Music & Sound Art, vor zwei Jahren wurde ihm der Collide@CERN Residency Award überreicht, der ihm vier Wochen lang die Möglichkeit gab, den Genfer Teilchenbeschleuniger zum Instrument zu mutieren.

Zu hören – und meist auch zu sehen - sind in Linz nun neben der in der auch sechs weitere Installationen, darunter die Landscape Soundings aus Hainburg (leider ist der Lauschgenuss nur im Stehen möglich), "Speeds of Time", eine musikalische Dekonstruktion des Big Ben in London, oder der Eiffelturm als audiovisuelle Komposition. Fontanas Wüstensounds, für die er die Bewegung eines jeden einzelnen Sandkorns aufnahm, werden wiederum nur einmal am Tag, nämlich um 20.00, abgespielt.

Fazit: Die Werkschau ist ein erfrischender und unprätenziöser Ohren-  und Augenschmaus, der mitunter auch die Wahrnehmung von zumeist nur unbewusst aufgenommenen Klänge unserer Umgebung zu ändern vermag.