"Wiener Journal": Weltweit strömen Menschen in nie dagewesenem Ausmaß in die Städte, laut UNO werden 2050 mehr als Dreiviertel der Weltbevölkerung in Städten leben. Was kommt da auf uns zu?

Eugen Antalovsky: Man muss deutlich unterscheiden zwischen Europa und Städten in Asien, Lateinamerika oder Afrika. Die europäischen Städte haben eine lange Entwicklungsgeschichte und stehen vor ganz anderen Herausforderungen als jene in Asien. Gute Beispiele sind London und New York, die in den nächsten Jahren ihre technische Infrastruktur erneuern müssen. Die Investitionen gehen in den Milliardenbereich. Städte, die sich neu und sehr schnell entwickeln, wie zum Beispiel in China, haben dagegen die Möglichkeit, alle smarten technischen Neuerungen von Anbeginn zu implementieren.

Der zweite wesentliche Unterschied ist und die Zusammensetzung der Migrationsströme. In China ist die Zuwanderung weitgehend homogen, in europäischen Städten haben wir eine sehr heterogene Zuwanderung, was bedeutet, dass in europäischen Städten Sprache bei der Integration eine ganz andere Bedeutung hat als in China. Das heißt nicht, dass die Gesamtsituation in China einfacher ist. Dort passiert alles rascher, intensiver und mit massiveren Auswirkungen.

Europa ist in einer vergleichsweise günstigen Situation. Vor zwanzig Jahren haben wir darüber diskutiert, wie wir die Stagnation und das Ausbluten der Städte verhindern können und jetzt haben wir moderat wachsende Städte.

Eugen Antalovsky wurde 1956 in Salzburg geboren. Er studierte Politikwissenschaft und Psychologie und ist seit 1996 Geschäftsführer der Beratungsfirma Europaforum Wien. Seit 2014 ist er außerdem Mitglied im internationalen Beirat zur regionalen Planung der Region New York, New Jersey und Connecticut.. - © Saskia Blatakes
Eugen Antalovsky wurde 1956 in Salzburg geboren. Er studierte Politikwissenschaft und Psychologie und ist seit 1996 Geschäftsführer der Beratungsfirma Europaforum Wien. Seit 2014 ist er außerdem Mitglied im internationalen Beirat zur regionalen Planung der Region New York, New Jersey und Connecticut.. - © Saskia Blatakes

Auch Wien wächst rasant. 2029 soll Wien die Zwei-Millionen-Grenze erreichen, allein im letzten Jahr sind etwa 35.000 Neu-Wiener dazugekommen. Wo sollen die alle hin? Drohen jetzt Verteilungskämpfe? Schon jetzt schimpft man in manchen Randbezirken über die Bauwut.

Ina Homeier: Die dynamische Entwicklung in Wien wird sich nur mit einem Mix an unterschiedlichen Maßnahmen bewältigen lassen. Dazu braucht es neue Stadtentwicklungsgebiete ebenso wie die Nutzung vorhandener Potenziale wie zum Beispiel im Bereich Leerstand. Durch Nachverdichtung im Umfeld hochrangiger öffentlicher Verkehrsmittel kann weiterer Wohnraum geschaffen werden.

Diese Nachverdichtung wird nicht immer positiv gesehen, aber im Sinne einer kompakten Stadt der kurzen Wege macht das Sinn. Smarte Verkehrspolitik bedeutet, Mobilität intelligent einsetzen zu können. Und das kann ich am besten, wenn ich umweltfreundliche Alternativen im unmittelbaren Wohnumfeld habe, also nicht auf das Auto angewiesen bin. Hier ist zum Teil aber noch ein Umdenken notwendig.