Antalovsky: Eine Stadt kann im Bereich des Wohnungswesens, des Schul- und Kindergartenwesens Bedingungen schaffen, die Integration erleichtern. Die große Frage ist aber, wie schaffe ich ein politisches und gesellschaftliches Klima, das die Leute willkommen heißt. Das bestimmt die Politik mit, aber nicht sie alleine.

Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingswelle gibt es keine besonders gute Willkommenskultur und Bedrohungsszenarien dominieren die öffentliche Diskussion. Das hat nichts mit den Migranten selbst zu tun, sondern mit der Angst, etwas zu verlieren.

In Wien führt man bei der Stadtplanung eine Idee aus der Zwischenkriegszeit fort, und zwar eine horizontale Mischung, sprich sozialen Wohnbau in wohlhabenderen Vierteln zu realisieren. Das funktioniert gut. Das Gegenteil wäre eine vertikale Mischung, wo in einem Haus oben teure Eigentumswohnungen sind und in den unteren Stockwerken Sozialwohnungen. Man muss bei der Planung die Psychologie der Menschen berücksichtigen und Distanz und Nähe in einem schaffen.

Homeier: Bildung spielt eine ganz große Rolle. Ich bin selbst vor fünf Jahren nach Österreich zurückgekommen und meine drei Kinder sprachen besser Portugiesisch als Deutsch. Mein Sohn war zuerst in einer Schule, in der die Lehrer nicht gut mit anderen Sprachen umgehen konnten. Mittlerweile geht er in eine bunt durchmischte Schule im fünften Bezirk und dort sind die Lehrer bestens darauf vorbereitet. Mein Sohn wurde neulich gefragt, wie viele Österreicher es denn an seiner Schule gebe. Seine Gegenfrage: Meinst du, wie viele Kinder nur eine Sprache sprechen?

Trotz Zuwanderung altert die Stadtbevölkerung in Europa. Keine Bevölkerungsschicht wächst in Wien schneller als jene über 65. Was bedeutet das für die Zukunft?

Antalovsky: Ich habe das Gefühl, dass Wien deutlich jünger geworden ist, auch wenn die Menschen älter werden. Die Siebzigjährigen sind heute ganz anders als in der Generation meiner Eltern.

Womit sich die Stadt aber sicherlich beschäftigen muss, ist die erste Generation der Migranten, die sehr abhängig vom Familienverbund ist und öffentliche Services nicht so selbstverständlich nutzt wie die Österreicher.

Was auch zunehmen wird, sind die prekären Arbeitsverhältnisse, was dazu führen wird, dass insbesondere Frauen zu geringe Pensionsansprüche aufbauen können. Das Resultat ist eine ältere Bevölkerung, die teilweise an den Rand der Gesellschaft gedrängt ist. Hier muss eine Stadt gemeinsam mit der Wirtschaft daran arbeiten, stabilere Arbeitsverhältnisse zu schaffen und eine Sicherung für die Menschen zu ermöglichen, wenn sie das Arbeitsleben verlassen. Das ist eines der dringenden Probleme. Wie schaffen wir unter veränderten wirtschaftlichen Bedingungen gesellschaftlichen Zusammenhalt und sozialen Ausgleich?