Welche Rolle spielen das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Solidarität der Bürger? Ist der engagierte Citoyen ein Auslaufmodell in derart schnell wachsenden Städten?

Antalovsky: In erster Linie könnte man das fördern, indem man gleiche politische Rechte schafft. In Wien können rund 25 Prozent der Menschen im wahlberechtigten Alter nicht wählen, weil das die Bundesverfassung nicht erlaubt. Für guten Zusammenhalt geht es aber darum, sich auf gleichem Niveau begegnen zu können. Die Stadt kann manchen Anstoß geben, aber zusammenfinden müssen die Leute dann letztlich selbst.

Homeier: Aber dann muss man auch den Raum bieten und das Gefühl gehört zu werden. Um sich zu engagieren, benötigt es auch entsprechendes Feedback seitens der Verantwortlichen. Beteiligung bedeutet den ständigen Dialog miteinander.

Antalovsky: Nicht jeder hat ein Interesse, die Stadt aktiv mitzugestalten.

Homeier:
Ich glaube schon, dass jeder seinen Lebensraum in gewisser Weise gestalten will, und das kann man auch fördern.

Antalovsky: Man kann sehr gut in einer Stadt leben, ohne sich für die Stadtentwicklung zu engagieren. Ich glaube, da muss man ein bisschen den stadtplanerischen Blick abwerfen.

Homeier: Aber in meinem Bereich der Smart-City-Entwicklung und der Energie-Effizienz geht es oft um technologische Ansätze, und da brauche ich unbedingt interessierte Menschen, denn sonst funktioniert die Planung nicht.

Ein Aspekt der Smart City ist das Internet der Dinge, die vernetzte Stadt. Ein europäisches Beispiel ist die nordspanische Küstenstadt Santander. Dort sind im Asphalt, an Straßenlaternen und auf Bussen und Taxis tausende von Sensoren verteilt, die Verkehrsaufkommen, Feinstaubbelastung und freie Parkplätze registrieren und an ein zentrales Kommandozentrum schicken. Ein anderes Beispiel wäre New Songdo City in China. Eine komplett vernetzt Retortenstadt, in der sich allerdings die Wohnungen nur schleppend verkaufen. Welche Möglichkeiten bieten technologische Innovationen und welche Gefahren drohen, wenn Technologiekonzerne als Stadtplaner fungieren?

Homeier: Also generell muss eine Stadt das schon zulassen. Technologie soll das Leben erleichtern, aber nicht ausfüllen. Wien hat in der Smart-City-Debatte den Ansatz, dass der Mensch im Mittelpunkt stehen muss, ganz stark betont. Wir müssen schauen, was können wir brauchen, was kann man automatisieren und was steigert wirklich die Lebensqualität. Wir müssen aber auch akzeptieren, dass technische Innovation notwendig ist, wozu auch gewisse Daten notwendig sind. Das hat nicht automatisch etwas mit Datenkontrolle zu tun.