Ein eingeübtes Zeremoniell macht sich bezahlt: Da wird also König Duncan eines Morgens tot aufgefunden. Eine Bahre steht bereit und die Diener wissen genau, was tun. Mit der Routine quasi-
liturgischer Übung wird die Krone auf den mit purpurnen Mantel verhüllten Leichnam bugsiert. Exit, no panic! Plan B tritt in Kraft. Mit Königsmord weiß man zu leben in Schottland.

Nehmen wir einmal zugunsten von Regisseur Peter Stein an, dass er das nicht patschert und deshalb unfreiwillig-komisch, sondern ganz ernsthaft und überlegt so inszeniert hat. So wie er für jede Szene dieses "Macbeth" planvoll die vermeintlich richtigen Bilder entwirft, mit dem nötigen Schaugepräge.

Eine Hand hat gediegen der anderen zugearbeitet für diese Opern-Klamotte, die sich schon in der Karajan-Endzeit eigentümlich ausgenommen hätte in Salzburg: Ferdinand Wögerbauer (Bühnenbild) hat in der Felsenreitschule ein Terrain mit leichter Bodenwelle angelegt, auf dem Krieger ungehindert fechten und zerlumpte Gestalten sich dahinschleppen. Eine hochfahrende schwarze Wand mit breiter Türöffnung suggeriert einen Innenraum. Der Wald von Birnam kommt aus den Arkaden. Die Kostüme (Annamaria Heinreich) decken gehobene Festspielansprüche. Das Licht ist vielleicht ein wenig eigenartig, vor allem im langen Orchestervorspiel zum dritten Akt, wo es so wirkt, als ob noch schnell ein paar Scheinwerfereinstellungen erprobt sein
wollen.

Emotionsfreies Orchester

Vielleicht fällt das gerade dort aber auch nur deshalb so auf, weil die Wiener Philharmoniker unter Riccardo Muti den Premierenabend emotionsfrei genommen haben. Sie sind offenbar ausgelaugt von der "Frau ohne Schatten" unter Thielemann. Jetzt bei Muti lässt sich’s gut Dienst nach Vorschrift machen, das dirigentische Joch ist leicht. Forte-Schläge sind nur beinahe laut, Piano-Stellen eh ziemlich leise. Und wenn Muti in die Partitur schaut, findet sich sowieso immer eine Melodie. Sonderbar, wie schaumgebremst das alles geklungen hat, wie wenig man von der Instrumentation mitbekommen hat. Aber schön war’s, echt schön. So viele Promis können beim Schlussbeifall nicht irren.

Singen lässt sich über dem orchestralen Flusensieb, durch das alles Fett sofort abrinnt, alleweil gut. Željko Lučić (Macbeth) kann seine latenten Zweifel am Morden, seine bösen Vorahnungen mit der nötigen Eindringlichkeit anmelden. Tatiana Serjan ist eine junge, dynamische, fordernde Lady Macbeth. Sie wirkt immer ein wenig manisch, und die Depression in der Schlussszene (nachdem sie mit Kerze durch die oberste Arkadenreihe schlafgewandelt ist) glaubt man ihr aufs wohl ausgeformte Wort. Dmitry Belosselskiy ist ein schwarzer, im entscheidenden Moment zerbrechlich wirkender und daher Mitleid erregender Banquo, und dem Tenor-Strahlemann Antonio Poli (Malcolm) hält man sowieso die Daumen, dass er Macbeth bald das ruchlose Handwerk legt. Auch Giuseppe Filianoti nimmt als Macduff mit seinem lyrischen Tenor für sich ein. Ihm hat Peter Stein ein Pieta-artiges Bild mit blutüberströmtem toten Kind geschenkt, es zerquetscht dem Zuseher förmlich das Herz. Anna Malvasi (Kammerfrau) und Andrè Juen (Diener) sind rollendeckende Besetzungen.