Der gewitzte Bonvivant Fernand hat ein Problem. Wie soll er es der ahnungslosen Geliebten nach einer leidenschaftlichen Nacht klarmachen, dass er sich am Abend mit einer anderen verloben wird? Ein geradezu aussichtsloses Unterfangen, denn die Chanson-Sängerin Lucette behauptet sich auch in den aberwitzigsten Momenten als "Ein Klotz am Bein".

In Georges Feydeaus meisterlichen Boulevard-Komödien, in denen sich die Doppelmoral der Belle-Époque-Bourgeoisie spiegelt, triumphiert eine gnadenlose, ins Absurde gesteigerte Logik des Unwahrscheinlichen. Um nicht ertappt zu werden, verstricken sich die Figuren von Bild zu Bild mehr in ihr Lügengebäude und katapultieren sich damit gerade in jene Situationen, denen sie auszuweichen versuchen. Für die Betroffenen ein wahr gewordener Albtraum, fürs Publikum Lachtheater vom Feinsten, mit brillant pointierten Dialogen, Sprachwitz und deftiger Komik. Man durfte sich also von Michael Kreihsls hochkarätig besetzter Produktion von "Ein Klotz am Bein" im Theater in der Josefstadt ungetrübtes Vergnügen erwarten. Doch leider kommt die Inszenierung in der wenig fantasievollen Ausstattung von Hugo Gretler nicht so recht vom Fleck.

Unglaubwürdige Liebesbeteuerungen

Raphael von Bargen als Herzensbrecher Fernand belügt seine langjährige Gefährtin Lucette von Beginn an so ungeschickt und offensichtlich, dass schwer nachzuvollziehen ist, warum der nicht besonders glamourös wirkende Variété-Star (Sona MacDonald) den Liebesbeteuerungen ihres finanziell schwer angeschlagenen Lovers glaubt. Immerhin wirbt ja ein radebrechender spanischer General (Toni Slama) mit wertvollen Schmuckstücken vergebens um ihre Gunst. Überdies schnorrt sie ihr Ex-Mann (André Pohl) um Geld für den gemeinsamen Sohn an. Siegfried Walter als glückloser Amateurkomponist und Ljubia Lupo Grujčić als Journalist, dessen Mundgeruch allen Anwesenden Übelkeit verursacht, treten drastisch von einem Fettnäpfchen ins nächste. Sie alle treffen dann unabhängig voneinander zu ihrer Überraschung bei der Verlobungsfeier zusammen, da die Brautmutter fürs Unterhaltungsprogramm ausgerechnet Lucette engagiert hat.

Da sich Fernand vor der Geliebten nicht als Bräutigam outen möchte, nimmt ein turbulentes Versteckspiel seinen Lauf - bis hin zum (scheinbar) desaströsen Ende. Doch der nächste Morgen beschert Fernand, der sich - in Unterhosen ("unterste Hosen" im Kauderwelsch des Generals) - aus dem eigenen Heim ausgesperrt hat, doch noch die gute Partie: Die ursprünglich gar nicht heiratswillige Verlobte hat sich für ihn entschieden. Ist er doch nicht, wie befürchtet, ein Langweiler, sondern gerade wegen seiner bewegten Vergangenheit ein echter Mann. Ruth Brauer-Kvam als Viviane und Gertraud Jesserer als deren mit eiserner Contenance agierende Mutter beweisen an diesem Abend, wie wirkungsvoll Feydeau sein kann, wenn man ihn nicht mit allerhand Mätzchen verblödelt. Im als Kitschorgie angefügten Schlussbild hat schließlich Sona MacDonald mit einem perfekt dargebotenen Song einen wirkungsvollen Auftritt. Ob’s zu Feydeau passt, ist eine andere Frage.