Berlin/München (red). Seit 8 Uhr früh sind in Deutschland die Wahllokale geöffnet. 62 Millionen Deutsche sind wahlberechtigt. Egal, für wen sie sich bei der Bundestagswahl entscheiden: 500 Millionen EU-Bürger sind indirekt davon betroffen. Wer im wirtschaftlich stärksten Land der EU regiert, bestimmt maßgeblich den weiteren Verlauf der Krisenbewältigung.

Die Demoskopen sind sich nicht sicher, ob die regierende christlich-liberale Koalition aus CDU/CSU und FDP noch einmal eine Mehrheit schaffen wird. Und die Wähler können sich nicht sicher sein, was dann auf sie zukommt. Vor der deutschen Bundestagswahl am Sonntag ist völlig offen, wer eine Koalition mit der von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geführten Union bilden kann und will.

Diesmal zeichnet sich sich eine höhere Wahlbeteiligung als vor vier Jahren ab. Wie der Bundeswahlleiter am Sonntagnachmittag mitteilte, hatten bis 14.00 Uhr 41,4 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. 2009 waren es zu diesem Zeitpunkt 36,1 Prozent gewesen. Damals wurde ein historischer Tiefstand vermeldet: Nur 72,2 Prozent der wahlberechtigten Deutschen gingen wählen, so wenige wie noch nie seit Kriegsende.

Für die FDP wird es eng

Sicher ist, dass Union (2009: 33,8 Prozent), SPD (23), Linkspartei (11,9) und Grüne (10,7) wieder ins Parlament kommen. Und mit Umfragewerten um die 40 Prozent für die Union wird Angela Merkel ziemlich sicher Regierungschefin bleiben. Die FDP, die vor vier Jahren ein Rekordergebnis (14,6) holte, muss hingegen um den Wiedereinzug ins Parlament bangen.

Insgesamt gehen für den 18. Deutschen Bundestag 34 Parteien mit annähernd 4500 Kandidaten ins Rennen. Das neue Parlament mit seinen mindestens 598 Abgeordneten trifft sich spätestens am 22. Oktober zum ersten Mal. Bis dahin ist die schwarz-gelbe Bundesregierung auf jeden Fall noch im Amt.

Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen links und recht

Die bisherige Koalition von CDU/CSU und FDP liegt in den jüngsten Umfragen etwa gleich auf mit der Opposition aus SPD, Grünen und Linken. Wenn es für Schwarz-Gelb nicht mehr reichen sollte, könnte die Koalitionsfrage wie schon 2005 auf Schwarz-Rot zulaufen. Aber auch Schwarz-Grün wäre möglich; allerdings ist dieses Farbenspiel im Vorfeld zunächst einmal ausgeschlossen worden. Dasselbe gilt für ein rot-grün-rotes Bündnis. Für SPD und Grüne allein dürfte es nicht reichen. Und die Internet-affinen Piraten haben in den Umfragen kaum Chancen auf einen Einzug in den Bundestag.