Berlin/Wien. Angela Merkel stellt sich nur ungern Dingen, die sie nicht kontrollieren kann. Einmal jährlich muss es sein, dann lädt Deutschlands Kanzlerin zur Sommerpressekonferenz in Berlin. Knapp vier Wochen sind es bis zur Bundestagswahl, Merkel müht sich nach Kräften, bloß keine Wahlkampfstimmung aufkommen zu lassen. Sie sediert die Wähler. Das bekommt insbesondere die SPD zu spüren, die unter Martin Schulz bei nur 24 Prozent liegt und damit 13 Prozentpunkte hinter der konservativen Union aus CDU und CSU rangiert. Aber auch die AfD zählt zu den Verlierern. Noch im Dezember vergangenen Jahres sagten 15 Prozent der Deutschen, für die nationalkonservativ-populistische Partei stimmen zu wollen. Nun sind es, je nach Umfrageinstitut, lediglich sieben bis zehn Prozent.

Zwar betonte die Kanzlerin vor kurzem, CDU/CSU müssten versuchen, jeden einzelnen AfD-Wähler zurückzugewinnen. "Das erfordert Geduld mit den Sorgen der Menschen und den Versuch, sie immer wieder mit konkreten Lösungen für konkrete Probleme anzusprechen", sagte Merkel der "Welt am Sonntag". Geradezu gleichmütig antwortete sie hingegen am Dienstag auf die Frage, ob die Stimmen rechts von der Union nicht mehr in die Partei integrierbar seien: "Wir hatten bei der Eurorettung und dem Flüchtlingsthema Herausforderungen und konnten nicht alle Menschen davon überzeugen, dass wir handeln mussten."

Pessimistische Anhänger

Merkel kann sich jene Gelassenheit leisten, seitdem die Flüchtlinge nicht mehr alles überstrahlendes Thema sind. Dazu haben die schwarz-rote Regierung mit ihren Verschärfungen des Fremdenrechts ebenso beigetragen wie der Flüchtlingsdeal mit der Türkei und die Schließung der Balkanroute. Und angesichts von Donald Trumps Kapriolen im Weißen Haus vertrauen viele Deutsche auf Merkels Politik der ruhigen Hand, die sie optimistisch stimmt.

Der AfD halten derweil insbesondere Bürger die Treue, die sich vor der Zukunft fürchten. "Pessimisten", schlussfolgerten die Autoren einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft, die in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" veröffentlicht wurde. Die größte Sorge sei demnach die Zuwanderung, sie mache 82 Prozent der AfD-Sympathisanten zu schaffen. Unter allen Befragten lag der Wert bei 32 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigte sich in einer YouGov-Umfrage für die "Zeit" bei der Frage, ob Deutschland "vor die Hunde" gehe: Ja, meinten knapp 80 Prozent der AfD-Anhänger. Unter den übrigen Wählern stimmten 39 Prozent zu.