Schulz und der Grüne-Spitzenkandidat Cem Özdemir stimmten am Sonntagvormittag bereits ab. Merkel will dies am frühen Nachmittag tun. Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief in der "Bild am Sonntag" alle Deutschen auf, wählen zu gehen. "Wahlrecht ist Bürgerrecht. Für mich ist es in einer Demokratie vornehmste Bürgerpflicht. Gehen sie zur Wahl", schrieb er. Es gehe um viel. "Wenn sie wählen, geht es um das, was Ihnen wichtig ist. Wenn sie nicht wählen, entscheiden andere", mahnte Steinmeier.

Schulz stimmte in seiner Heimatstadt Würselen kurz nach 10.00 Uhr ab. Hand in Hand mit seiner Ehefrau Inge betrat er das Wahllokal und begrüßte die Wahlhelfer mit Handschlag. "Mir geht es gut", sagte der ehemalige Präsident des Europaparlaments zu den wartenden Journalisten. Nervös sei er nicht, versicherte er. "Das ist die entscheidende Stimme", sagte er nach Angaben eines AFP-Reporters, als er den Stimmzettel in die Wahlurne warf. Der Kanzlerkandidat erschien im dunklen Anzug mit weißem Hemd und roter Krawatte, der Farbe der SPD. Für die Fotografen musste Schulz vor der Urne posieren. "Ich wähle auch zweimal", scherzte er.

Wahlberechtigt sind rund 61,5 Millionen Deutsche. Sie können unter landesweit 42 Parteien und 4.828 Bewerbern auswählen. Gewählt wird in 299 Wahlkreisen. Den Umfragen nach dürften künftig sechs statt zuletzt vier Fraktionen im Bundestag vertreten sein. Die Zahl der Abgeordneten könnte laut Schätzungen des Politologen Joachim Behnke von 630 auf bis zu etwa 700 steigen und wäre damit so groß wie nie zuvor (bisheriger Rekord: 672 Abgeordnete nach der Wahl 1994). "Keine andere Demokratie der Welt hätte dann so viele Sitze im Parlament", sagte Behnke der Deutschen Presse-Agentur.

Die Zahl ist aufgrund des Wahlsystems variabel, wobei regulär 598 Abgeordnete vorgesehen sind, zu denen aber etliche hinzukommen können. Schon nach der Wahl 2013 hatte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) die Größe des Parlaments kritisiert. Eine effiziente Arbeit sei bei zu vielen Abgeordneten nicht mehr gewährleistet. Immer wieder brachte Lammert eine Obergrenze ins Spiel - allerdings vergeblich.

In Berlin sind die Bürger zudem zu einem Volksentscheid über die Offenhaltung des Flughafens Tegel aufgerufen. Der rot-rot-grüne Senat lehnt dies unter Verweis auf den - noch immer im Bau befindlichen - Großflughafen BER ab. Ein Ja im Volksentscheid bedeutet aber nicht, dass der Wählerwille umgesetzt werden muss.