Berlin. Bei der deutschen Bundestagswahl am Sonntag hat sich eine ähnliche Wahlbeteiligung abgezeichnet wie vor vier Jahren. Bis um 14.00 Uhr gaben 41,1 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, geringfügig weniger als 2013, wie der Bundeswahlleiter mitteilte. Die Stimmen der Briefwähler sind dabei nicht berücksichtigt.

Die Wahlbeteiligung insgesamt hatte vor vier Jahren 71,5 Prozent betragen. Bei der Bundestagswahl 2009 war sie auf den bislang niedrigsten Stand überhaupt abgerutscht und lag bei 70,8 Prozent.

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In den letzten Umfragen vor der Wahl lag die Union von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) deutlich vor der SPD von Herausforderer Martin Schulz. Erstmals ins Parlament einziehen dürfte die AfD. Allerdings müssen CDU und CSU mit Einbußen im Vergleich zu ihrem Ergebnis von 41,5 Prozent vor vier Jahren rechnen. Den Sozialdemokraten könnte drohen, noch unter ihr bisher schlechtestes Ergebnis von 23,0 Prozent bei der Wahl 2009 zu rutschen.

AfD dürfte ins Parlament einziehen

Erstmals ins Parlament einziehen dürfte die AfD, die FDP steht nach vier Jahren Abwesenheit vor der Rückkehr in den Bundestag. Auch Linkspartei und Grüne können den Umfragen zufolge damit rechnen, die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen.

Alle vier kleineren Parteien machen sich Hoffnungen, drittstärkste Kraft zu werden. Für eine Regierungsbildung nach der Wahl erwarteten Meinungsforscher zuletzt nur Mehrheiten für eine erneute Große Koalition von CDU/CSU und SPD oder ein Jamaika-Bündnis aus CDU/CSU, FDP und Grünen.

Merkel wählte in Berlin

Merkel gab ihre Stimme für die Bundestagswahl am Nachmittag in einem Wahllokal in Berlin-Mitte ab. Bei trübem Wetter kam sie in Begleitung ihres Ehemanns Joachim Sauer, der vor dem Wahllokal schützend den Regenschirm über sie hielt. Die Kanzlerin bewirbt sich bei der Bundestagswahl um eine vierte Amtszeit - sie ist seit dem 22. November 2005 im Amt.

Schulz hatte schon am Vormittag in seiner nordrhein-westfälischen Heimatstadt Würselen in Begleitung seiner Ehefrau Inge gewählt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gab ebenfalls am Vormittag in Berlin seine Stimme ab.

Insgesamt rund 61,5 Millionen Deutsche sind bis 18.00 Uhr zur Stimmabgabe aufgerufen. Erste Prognosen zum Wahlausgang werden unmittelbar im Anschluss erwartet. Insgesamt stehen 42 Parteien zur Wahl - so viele wie nie seit der Wiedervereinigung.

Stadt-Land-Gefälle

In München gaben nach Angaben der Stadt bis kurz vor 12.00 Uhr 57,1 Prozent der Wahlberechtigten - inklusive einer deutlich erhöhten Zahl von Briefwahlstimmen - ihr Votum ab. Das sind mehr als zehn Punkte mehr als 2013. Auch in den Großstädten Hamburg und Frankfurt gaben am Morgen mehr Bürger ihre Stimmen ab als vor vier Jahren. In dem Flächenland Niedersachsen dagegen lag die Wahlbeteiligung um 12.30 Uhr mit 32,08 Prozent um etwa einen Punkt hinter den Zahlen von 2013 zurück. Deutlich unter dem Wert von vor vier Jahren blieb auch Thüringen mit einem Minus von mehr als sechs Prozentpunkten bis zum Mittag sowie Schleswig-Holstein.

Abstimmung über Flughafen Tegel in Berlin

In Berlin sind die rund zweieinhalb Millionen Wahlberechtigten am Sonntag auch zur Abstimmung über die Zukunft des Flughafens Tegel aufgerufen. Ein von der FDP initiierter Volksentscheid fordert, den innerstädtischen Flughafen im Nordwesten Berlins nach Eröffnung des Hauptstadtairports BER weiterhin zu nutzen. Der Text ist nicht rechtsverbindlich - er fordert den rot-rot-grünen Senat zum Handeln auf.