Entwicklung seit 1949.  - © Wiener Zeitung
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Berlin. Nach der Absage der SPD an eine neue Große Koalition will CDU-Chefin Angela Merkel Kontakt zu den Sozialdemokraten aufnehmen. Sie suche "das Gespräch mit der FDP und den Grünen, aber auch mit der SPD", sagte Merkel am Montag nach den Gremiensitzungen ihrer Partei. Sie habe die Absage der Sozialdemokraten zwar vernommen, dennoch "sollte man im Gesprächskontakt bleiben", sagte sie.

Trotz massiver Verluste ging CDU/CSU aus der deutschen Bundestagswahl klar als stärkste Kraft hervor. Trotz des massiven Denkzettels, den die Deutschen CDU/CSU verpasst haben, will Kanzlerin Angela Merkel weitermachen. Rechnerisch ist außer einer erneuten Großen Koalition nur ein Jamaika-Bündnis aus Union, Grünen und FDP möglich. Die SPD kündigte allerdings bereits an, sie wolle in die Opposition gehen.

Nach dem SPD-Debakel soll die Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles Fraktionschefin werden. Das schlug Parteichef Martin Schulz am Montag in einer Sitzung des SPD-Präsidiums vor. Die 47-Jährige solle am Dienstag oder Mittwoch an die Spitze der Fraktion mit 153 Abgeordneten gewählt werden.

SPD hält an Oppositions-Entscheidung fest

Schulz machte unmittelbar vor der Sitzung deutlich, dass die SPD an ihrer Entscheidung für die Opposition nicht rütteln lassen wird. "Ich will deshalb auch ganz klar sagen: Wir haben die Entscheidung getroffen, wir sind die Opposition in diesem Lande", unterstrich Schulz vor Journalisten. "Wir werden sehen, welche Regierung zustande kommt. Wir werden dieser Regierung in konstruktiver Form als Opposition entgegentreten."

Bei der Bundestagswahl am Sonntag hatte die SPD mit 20,5 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis der Nachkriegsgeschichte erzielt. Schulz will dennoch Parteichef bleiben und beim Parteitag im Dezember erneut für dieses Amt kandidieren. Er dankte den Wahlkämpfern in der SPD-Zentrale. Sie hätten eine "Art von Leidenschaft an den Tag gelegt, von Emotion und menschlicher Verbundenheit, die für mich jedenfalls für den Rest meines Lebens in meinem Herzen bleibt".

Seehofer stellt Gemeinschaft mit CDU zur Debatte

Unterdessen stellte CSU-Chef Horst Seehofer am Montagvormittag die traditionelle Fraktionsgemeinschaft mit der CDU zur Debatte. Seehofer wolle vorerst offen lassen, ob CDU und CSU auch im neuen Bundestag eine Fraktionsgemeinschaft bilden, verlautete am Montag aus Teilnehmerkreisen.