Wien. Seit zwei Jahren ist die Hypo Alpe Adria im Besitz der Republik Österreich. Spätestens seit ihren Swap-Verlusten 2005 und dem Auffliegen des Vertuschungsversuchs 2006 ist die Kärntner Bank in akuter Schieflage. Die öffentliche Debatte wird dominiert von Hausdurchsuchungen, Anzeigen, Sonderkommissionen, Untersuchungsausschüssen in Klagenfurt und München, spektakulären Teilgeständnissen, Tagebuch-Fetzen, Schmiergeldvorwürfen und Spuren nach Liechtenstein.

Der Bayerischen Landesbank, der früheren Hypo-Eigentümerin, hat die Fehlinvestition in Kärnten rund 3,7 Milliarden Euro Schaden beschert. Die jetzige österreichische Staatsbank Hypo kämpft weiter mit Milliarden-Kreditaltlasten. Sie muss auf Geheiß der EU drastisch redimensioniert werden. Im Folgenden ein Rückblick:

1992: Knapp nachdem das Land Kärnten die Grazer Wechselseitige Versicherung (GraWe) als Miteigentümer ins Boot geholt hat, beläuft sich die Bilanzsumme der Bank auf gerade einmal 25,8 Milliarden Schilling (1,9 Milliarden Euro). Wolfgang Kulterer wird als Vorstandschef installiert, die Hypo in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Unter Kulterer beginnt eine atemberaubend schnelle Expansion auf dem Balkan.

2006: Im März werden hohe Swap-Verluste bekannt, Kulterer gerät unter Druck. In der Folge muss die Bilanz 2004 neu erstellt werden, sie ist negativ. Die Finanzmarktaufsicht zeigt den gesamten Bankvorstand wegen Bilanzfälschung an. Kulterer tritt zurück und wechselt an die Spitze des Aufsichtsrats, zieht aber im Hintergrund weiter die Fäden. Im Dezember steigt der deutsche Investor Tilo Berlin mit 125 Millionen Euro von "vermögenden Privatpersonen" mit 4,5 Prozent bei der Bank ein.

2007: Die Grawe kündigt an, Hypo-Anteile an Berlin zu verkaufen. Hinter den Kulissen laufen schon längst Gespräche mit BayernLB-Chef Werner Schmidt. Nach einem weiteren Kapitaleinsatz hält die Berlin-Gruppe die Sperrminorität (25 Prozent plus eine Aktie). Im Mai wird die Bank für 1,62 Milliarden Euro mehrheitlich an die vom damaligen Landeshauptmann Jörg Haider favorisierte BayernLB verkauft. Binnen kurzer Zeit verdient die Berlin-Gruppe mit dem Deal rund 150 Millionen Euro. Ende November muss die BayernLB erstmals gut 440 Millionen Euro frisches Kapital in ihre Kärntner Tochter pumpen, die Grawe fast 160 Millionen.