Let’s dance mit der Elektroclash-Veteranin Peaches. - © A. Cebellos
Let’s dance mit der Elektroclash-Veteranin Peaches. - © A. Cebellos

Dunkle Sounds und schattige Zwischentöne

(a.r.) Zweifelsohne nimmt das Donaufestival in seiner zehnten Saison keine Gefangenen, wenn es um die Demonstration seiner Schwerpunktlegung auf musikalische Grenzlandforschung geht. Im Gegenteil: Im besten Sinne schwierige Zwischentöne dominieren das Programm, das den Fokus heuer verstärkt auf schattigen Techno, nebelschwadrigen Drone und nachtschwarzen Noise legt - teils in der gebündelten Form einer Leistungsschau.

So etwa stellt sich das New Yorker Label Hospital Productions nicht nur mit dem schweren Techno Ron Morellis vor, während ein Label-Nachmittag von Morphine Records eine Erstbegegnung mit dem spät
entdeckten, aber bereits seit den 70er Jahren auf Improvisation am Synthesizer spezialisierten Charles Cohen ermöglicht. Peter Rehbergs Editions-Mego-Imperium wiederum gastiert mit so unterschiedlichen Künstlern wie Sunn-O)))-Mann-Stephen O’Malley oder Bill Orcutt und
dessen Schräglagen-Folk an der viersaitigen Gitarre.

Davor, dazwischen und danach kommt es zu mit Spannung
erwarteten Einzelkonzerten von Daniel Lopatin alias Oneohtrix Point Never, der aus teils obskuren Samples postmoderne Soundcollagen zaubert, oder des zuletzt für sein auch nicht zwingend auf die Sonnenseite gefallenes Album "Ghettoville" gefeierten britischen Produzenten Darren J. Cunningham alias Actress.

Unbedingte Vorfreude gilt zudem Body/Head, der Zusammenarbeit Kim Gordons (Ex-Sonic-Youth) mit Bill Nace - wir hören spröde, hypnotische Klanggebilde aus lediglich zwei Gitarren plus Gesang. Aber auch ein Konzert von Jamie Stewarts auf Obsessionen und Drama gepolter Band Xiu Xiu, die unter Regie des Choreografen Jeremy Wade mit "Dark Material" auch im Performance-Teil auftreten wird, sollte auf der persönlichen Watch-List stehen. Gleichfalls empfohlen: Teho
Teardo und Blixa Bargeld mit den kammermusikalisch umrahmten und trilingual vorgetragenen Songs ihres Albums "Still Smiling", ehe Electroclash-Veteranin Peaches schließlich auch ausgelassen-verschwitzte Partyfreuden ermöglicht.

Performative Einmischungen ins politische Geschehen

(pat) Guckkasten-Theater und klassisches Schauspiel sind beim Donaufestival verpönt. Vielmehr bietet der Spielplan performative Einmischung ins gesellschaftspolitische Geschehen: Santiago Sierra, spanischer Konzeptkünstler, untersucht mit Häftlingen der Justizanstalt Stein die Wirkung von Nahtoderfahrungen. Nicht versäumen sollte man auch das heimische Theaterkollektiv God’s Entertainment: In ihrem "Human Zoo" stellen sie - in Anlehnung an Freakshows der Jahrhundertwende - Menschen aus Randgruppen aus. Mitmachtheater der besonderen Art bietet Meg Stuart: In "One Single Action: Laughing" soll eine Stunde gelacht werden. Das stärkt nicht nur die Bauchmuskeln.