Auf dem Kremser Messegelände besteht aktuell die Möglichkeit, einmal so richtig Dampf abzulassen. In Stephane Roys beliebter Mitmach-Installation "The Laboratory Of Anger Management" geht es darum, die Nebenwirkungen der Leistungsgesellschaft und andere "Umstände" zu verdauen, indem man mit einem Baseballschläger als Waffe die Ausstattung eines Containers zu Kleinholz macht. Dass die zwischen Wutprobe und Aggressionstherapie angesiedelte Arbeit mit freundlicher Unterstützung eines heimischen Baukonzerns erfolgt, dürfte vermutlich auch Blixa Bargeld gefallen, der mit der alten Berliner Lärmavantgarde von den Einstürzenden Neubauten heute noch den Headliner gibt. Der Mann hat bekanntlich einmal für die Baumarktwerbung ironische Dichterlesungen zu Themen wie "Quarzit-Polygonalplatten" gehalten.

Choralgesänge

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Bevor es zum Abschluss des erstens Donaufestivalwochenendes unter Leitung von Thomas Edlinger am Montag aber noch drastisch-dräuender aus den Boxen ballert, hätte man zunächst nicht nur beim herzerwärmenden Heimwerkerpop der Grubby Mitts Gelegenheit, das Festival-Hauptaugenmerk auf das Schlagwort der Empathie hin zu überprüfen. Auch die früher als Begräbnis- und Hochzeitssängerin tätige, später dann doch nicht in den Opernbereich gewechselte US-Folk-Chanteuse Josephine Foster hat diesbezüglich etwas zu demonstrieren. Die live in ein Einsiedler-Kleid der Marke "Die Amischen kommen" gehüllte Musikerin erinnert mit ihren auf Zupfgitarre und Cello heruntergebrochenen Songs inklusive La-La-Lagerfeuergesang an friedliche Wiesen- und Moor-Sommertage mit Grammofonbeschallung. Leiseres hat man am Donaufestival noch nicht gehört.

Auf die nur am Papier etwas seltsame Idee, die längst zum säkularisierten Klangraum gewordene ehemalige Minoritenkirche Krems/Stein wieder auf ihren Ursprung zurückzuwerfen, kommt im Anschluss der Kanadier Ian William Craig. Dieser lässt an seiner Schaltkanzel Tape-Manipulationen von in Lo-Fi-Manier aufgezeichneten Choralgesängen, die nicht aus dem naheliegenden Stift Göttweig stammen, live mit dem Faktor Mensch kollidieren, der im Wesentlichen in seinem eigenen Melisma besteht. Man hört die perfekte Musik, um auf dem Boden liegend in den Himmel zu schauen – auch wenn sich dort nichts oder niemand befinden sollte. Inklusive der einen oder anderen kritischen Intervention in Form ungerader Loops aus dem Häcksler reicht Craig mit dieser doch durchwegs der sonischen Schönheit geschuldeten Musik dem Publikum seine Hand. Das ist würdig und recht.