Dass Hofmarcher, Jahre später, nach diversen Jobs und einem weiteren Master-Titel an der Sorbonne, wieder an einer Bildungseinrichtung gelandet ist, noch dazu bei einer Grand École, stellt für sie die "Weiterführung von Erasmus" dar. Nun bereist sie verschiedenste Länder, mehr als 20 pro Jahr, und trifft dort junge Menschen, die ein MBA-Studium an der HEC erwägen, die, wie sie einst, den Entschluss gefasst haben, ins Ausland zu gehen.

Susanne Hofmarcher aus Randegg, aus Wien, aus Paris, ist zu einem "International" geworden. Sie hat schon in Bordeaux gelebt, arbeitete dazwischen wieder in Wien, ehe sie dann erneut nach Paris zog. Damit unterscheidet sie sich gar nicht so sehr von vielen ihrer Freunde. Immer wieder kommt sie auch nach Wien zurück, für ein paar Tage, die Stadt ist ihr ein Rückzugsort geworden, auch Heimat, und viele ihrer Freunde, hier wie dort, sind junge Menschen, die ein oder mehrere Male in ein anderes Land gezogen sind. Hofmarcher gehört damit jener Generation an, die mit der EU aufgewachsen ist, ihr positiv gegenübersteht und die auch selbst die Vorzüge eines geeinten Europas selbst erlebt hat. Oder nach wie vor erlebt.

Ein Schlüssel dafür war bei Hofmarcher eindeutig höhere Bildung. Es gibt zwar auch Austauschprogramme für Lehrlinge, doch haben an diesen bisher insgesamt weniger junge Menschen teilgenommen als Studierende an Erasmus allein im vergangenen Jahr. Und es geht beim Fachkräfteaustausch meistens auch nur um ein paar Wochen Auslandserfahrung.

Ohne das Erasmus-Jahr in Kopenhagen wäre Susanne Hofmarcher wohl nie nach Paris gezogen, und ohne das Studium in Wien hätte sie wohl auch nie diese Erfahrung gemacht, wie es sich anfühlt, in einem anderen Land zu leben, sie hätte nicht viele ihrer heutigen Freunde kennengelernt und keine zweite Fremdsprache erlernt. Und das alles, weil sie unbedingt studieren wollte, als Erste in ihrer Familie zu höherer Bildung gelangt ist. "In der ganzen Familie waren es eigentlich immer die Frauen, denen Bildung und Status wichtig war", sagt Hofmarcher.

Johann Wöhrer, Wien

Johann Wöhrer ist Chefinspektor in Meidling. Eigentlich könnte er längst in Pension sein, doch er will noch nicht. - © Rosner
Johann Wöhrer ist Chefinspektor in Meidling. Eigentlich könnte er längst in Pension sein, doch er will noch nicht. - © Rosner

Als die österreichische Bevölkerung 1994 über den EU-Betritt abzustimmen hatte, bündelten sich die Hoffnungen und Ängste der Menschen über die bevorstehende Zäsur. Die SPÖ, die den Beitritt forcierte, versprach auf ihren Plakaten "mehr Sicherheit", die FPÖ schrieb: "Nein, zur grenzenlosen Kriminalität". Was ist seither geschehen?

Johann Wöhrer ist Chefinspektor in Meidling. Eigentlich könnte er längst in Pension sein, doch er will noch nicht. Sein Beruf macht ihm zu viel Freude, um ihn schon hinter sich zu lassen. Vor zwei Jahren wurde er vom Innenministerium für sein Lebenswerk geehrt. Und Wöhrer ist nach wie vor auch im Außendienst tätig, obwohl er auch das nicht mehr müsste. Seit 2008 leitet er die Polizeiinspektion in der Hufelandgasse, davor war er 25 Jahre im 13. Bezirk tätig.