Begonnen hatte Wöhrer seine Laufbahn im Jahr 1974, ebenfalls in Wien, in Neubau, doch es war ein anderes Wien und der siebte Bezirk damals weit von der gehobenen Lässigkeit der Jetztzeit entfernt. Es sei damals dort schon wild gewesen, sagt Wöhrer, "die Zuhälter, die Prostituierten…"

Auch die Statistik ist beeindruckend. Im Jahr 1974 wurden in ganz Österreich etwa 40.000 Personen wegen Verbrechen gegen "Leib und Leben" verurteilt, im Jahr 2016 waren es weniger als 6000. Darin lässt sich zwar auch eine andere Spruchpraxis der Gerichte ablesen sowie die eine oder andere Justizreform. Aber es sagt auch etwas über gesellschaftliche Entwicklungen aus.

Doch es war auch sonst vieles anders. "Strafrechtliche Delikte sind fast nur von österreichischen Staatsbürgern verübt worden", erzählt Wöhrer. Es gab die "Stammkunden", von denen die Polizei genau wusste, wann sie wieder einmal draußen waren. Im Einbruchsfall der Fälle hat man sie daheim besucht und nachgefragt, wo sie denn zur Tatzeit waren. Die Polizisten waren damals auch noch eine respektierte Autorität.

Als Wöhrer 1982 nach Hietzing wechselte, sah er schon ein anderes Wien. Doch auch die Insel der Seligen änderte sich in den 90er Jahren. Erst der Zusammenbruch des Ostblocks, dann kam der EU-Beitritt, Grenzen bekamen in Europa eine andere Bedeutung. "Die Einbruchsdelikte sind extrem gestiegen, da hatten wir viel Arbeit." Die Zahl der ausländischen Tatverdächtigen war zum Zeitpunkt des Beitritts auf etwa 20 Prozent gestiegen.

Und auch Einbrüche in Autos sowie Diebstähle von diversen Kraftfahrzeugen und Fahrrädern stiegen rasant an, doch es ebbte alles wieder ab. Die Polizei reagierte auf die neuen Herausforderungen, ebenso der Gesetzgeber sowie die Bevölkerung, die andere Präventionsmaßnahmen traf. Seit 2009 hat sich in Österreich die Zahl der angezeigten Einbruchsdelikte beinahe halbiert, beim Kfz-Diebstahl gab es in diesem Zeitraum sogar einen Rückgang um 70 Prozent.

Offene Grenzen mögen Verbrechern, und hier besonders international agierenden Banden, Vorteile bieten. Denn auch für sie öffneten sich durch die europäische Integration die Märkte. Die Polizeiarbeit internationalisierte sich aber auch. Wenn Wöhrer einen Tatverdächtigten in seiner Inspektion erkennungsdienstlich behandelt und die Fingerabdrücke abnimmt, kann es passieren, dass sich das Bundeskriminalamt meldet, da genau diese Fingerabdrücke schon in einem anderen EU-Land an einem Tatort gefunden wurden. Oder es fällt bei der Datenabfrage auf, dass ein Haftbefehl in einem anderen Schengen-Land vorliegt. Im Jahr 2000 gab es im Schengen-Ausland 84 Festnahmen aufgrund eines österreichischen Haftbefehls, 2016 wurden es 561 Festnahmen. Auch die Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen den Behörden in den EU-Ländern hat sich gebessert.